Die erste Zeit war sie der Wind. Wie oft hatte sie den Menschen die Haare zerzaust und mit den Blättern gespielt. Sie streichelte das Getreide, das in goldenen Ähren auf weiten Feldern stand. Das Leben war frei und ungezwungen. Und auch wenn sie damals noch nicht in der Lage war Gedanken hervorzubringen, so war es doch wie ein Gefühl, dass etwas fehlte.

Dann verband sich ihre Seele mit einem Baum. Und was ein stolzer Baum das war. Selbst als er noch ganz jung war, strahlte er schon etwas Besonderes aus. Seine wundervollen, schneeweißen Blüten strahlten und Menschen als auch Tiere besuchten ihn oft. Den Menschen wurde der Ort an dem der Baum stand eine Stätte der Magie und so sprachen sie mit ihm und baten um Hilfe bei Ritualen, Heilungen und seinen Segen. Sie benutzen seine starken glatten Äste als Werkzeuge für Druiden und gaben sie ihren Herrschern als Insignien der Macht. Er sah viele Menschen in seinem Schatten, sie liebten, sie hassten sich und oft wurden Kriege um ihn herum ausgetragen. Er sah die Freude auf ihren Gesichtern und die Trauer und fragte sich, denn der Glaube und die Ehrfurcht der Menschen ließen sein Bewusstsein wachsen, wie sich diese Empfindungen anfühlen mochten. Als Baum war sie stark und unbeweglich, aber ihre Seele war noch zu starr um dies alles selbst fühlen zu können. Und so sah der Baum zu, wie die Menschen ihre Lieben bei ihm begruben und ihm die Neugeborenen entgegen gehielten, damit seine Blätter sie streichelten und er sie somit segnete.

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Aello – Windsbraut

02. Mrz 2010

Besorgt betrachte ich den Himmel. Ein Sturm zieht auf. Zu spät hatte ich mich auf den Heimweg gemacht. Nun würde ich nicht nur in die Nacht kommen, sondern musste auch noch vor dem Sturm fliehen. Ich schließe die Augen und gebe mich für einen Moment der verhängnisvollen Versuchung hin den Wind zu fühlen. Die immer stärker werdenden Böen werfen sich gegen meinen Körper und spielen mit meinem Haar. In den Tagen nach dem Schnee und vor dem Frühling, wenn die Natur Kraft sammelt, um die Welt wieder mit Farben zu füllen, kommen die Stürme. Sie bringen Wasser und Energie. Sie fegen mit ihrem Zorn die letzten Reste des Winters davon. Ich liebe diese ersten Stürme des Jahres.
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