Aello – Windsbraut

02. Mrz 2010

Besorgt betrachte ich den Himmel. Ein Sturm zieht auf. Zu spät hatte ich mich auf den Heimweg gemacht. Nun würde ich nicht nur in die Nacht kommen, sondern musste auch noch vor dem Sturm fliehen. Ich schließe die Augen und gebe mich für einen Moment der verhängnisvollen Versuchung hin den Wind zu fühlen. Die immer stärker werdenden Böen werfen sich gegen meinen Körper und spielen mit meinem Haar. In den Tagen nach dem Schnee und vor dem Frühling, wenn die Natur Kraft sammelt, um die Welt wieder mit Farben zu füllen, kommen die Stürme. Sie bringen Wasser und Energie. Sie fegen mit ihrem Zorn die letzten Reste des Winters davon. Ich liebe diese ersten Stürme des Jahres.
Diese unbändige Stärke. Die Luft schmeckt süß, voll von Lebenskraft und Verheißung des kommenden Frühlings. Ich lasse mich treiben, fühle wie der Wind an meiner Kleidung zerrt. Es ist gefährlich sich zu lange der Wut der Natur hinzugeben und sich von den Farben des Windes gefangen zu nehmen. Doch der Himmel in diesen Sturmnächten verzaubert mich und ich kann mich nicht abwenden von dieser Schönheit. Nach dem Weiß des Winters erscheinen mir die vielen farbigen Akzente verschwenderisch bunt und es kribbelt in meinen Fingern vor Ungeduld und Vorahnung. Ich fühle mich, als könnte ich aus dem Stand in den Himmel springen und nach den Sternen greifen, die sich hinter den getriebenen Wolken verstecken und wie Edelsteine glitzern. Wenn ich mich jetzt nicht nach einer Unterkunft für die Nacht umsehe, wird es für mich gefährlich werden. Niemand sollte sich der temperamentvollen Rage einer Sturmnacht entgegenstellen, doch noch immer hält mich der Sturm in seinem Bann. Ich bin trunken von der Stärke. Mit geballten Fäusten stelle ich mich dem Wind in den Weg und schreie ihm meinen Mut entgegen.

Meine Unverfrorenheit facht die Wut des Sturmes noch an. Wie kann ich es wagen mich hier mit ausgestreckten Armen in den Wind zu stellen, anstatt mich verängstigt in Hütten oder Höhlen zu verkriechen und bangend das Wüten abzuwarten. Die Natur brüllt mir mich an und das Fauchen des Windes ist so laut, dass ich davon taub werde. Nebel steigt auf und verhüllt den Boden, verschleiert den Weg hinaus. Jetzt bin ich gefangen und mein Schicksal liegt nicht mehr in meinen Händen. Ich habe keine Angst, denn ich fühle mich in den unsichtbaren Armen der Luft zuhause. Aello –Windsbraut – nannten mich die Alten des Dorfes und schüttelten die Köpfe. Schon immer hat es mich in den Sturmnächten hinaus getrieben. Ich wollte inmitten des Aufruhrs der Elemente stehen und die Kraft spüren und die Leidenschaft der Natur. In Nächten, in denen der Sturm um das Haus polterte, träumte ich davon auf Wolken zu reiten.

Der Regen fällt wie Tränen auf mein Gesicht. Vielleicht weine ich auch, vor Glück, weil ich endlich erfahren werde, was mich erwartet, wenn ich dem Drängen nachgebe, einfach in den Himmel zu springen. Der Wind hat plötzlich gedreht und ich verliere den Halt. Für einen Moment schwebe ich von Donnergrollen eingehüllt. Ein einschlagender Blitz vervollständigt die magische Verbindung der vier Elemente. Etwas wird passieren. Ich kann regelrecht spüren, wie sich die Härchen auf meinem Arm aufstellen, doch es ist nicht Furcht, die mich durchflutet. Angelockt von dem Trommeln des Regens kringeln sich Regenwürmer auf der Erde. Sie sind ineinander verschlungen wie eine Zuckerstange und tanzen im kühlen Mondlicht einen Fruchtbarkeitstanz. Ich kann sie genau sehen, denn ich schwebe noch immer dicht über den Boden. Der Geruch der feuchten Erde ist betörend. Für einen Moment wünsche ich mir, ich könnte mich in sie hinein graben, doch ich gehöre nicht hierher. Ich bin Aello die Braut des Sturms.

Ein starker Luftstoß treibt mich ein Stück hinauf und mein Körper ist den Wellen des Sturms ausgeliefert. Atemlos sehe ich, wie sich der Erdboden immer weiter von mir entfernt, bis ein Windzug mich herumreißt und ich dem Himmel entgegen sehe. Ich spüre wie der Sturm in mich eindringt und mein Blut in Wallung bringt. Er liebkost meinen Körper und streichelt meine Seele bis ich an einen Punkt komme, an dem mein Denken aussetzt und nicht mehr von ihm getragen werde, sondern selbst bestimme wohin ich fliege. Die Arme ausgebreitet wie Flügel krächze ich vogelartig und stoße mich von einer Böe ab. Ich stürme dem Himmel entgegen und durchstoße die puderigen Wolken, weiß wie Zucker und verliere mich im Glitzern der Sterne.

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Fingerübung
Muse Karin:

1.Zuckerstange 2.süß 3.bunt 4.gedreht 5.Zucker

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6 Responses to “Aello – Windsbraut”

  1. Melanie Says:

    Und wieder mal einfach nur toll 🙂

  2. karfie Says:

    Öhm…., jetzt sagst du auch schon Katrin..
    Ich muss bald mal meinen Namen ändern *gg*

  3. Melanie Says:

    *hehe* guter Beitrag.

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