Binge

30. Jan 2011

Laura hebt die Nase schnuppernd in den Raum. Sie wirft einen Blick über die Schulter, zwinkert und beugt sich dann mit ihren Rundungen behäbig zum Backofen hinunter, um in die Hitze zu starren.

Ich liebe das Backen. Es duftet so lecker.“ Sie richtet sich wieder auf und dreht sich zur Wohnzimmertür.

Ihr könnt es ja leider nicht riechen.“ Freundlich lächelnd starrt sie in die Luft, obwohl sie allein ist in der Wohnung.

Mit wem ich rede, wenn ich doch allein in der Wohnung bin? Na, mit euch! Also, ich sag es besser gleich, ich bin nicht ganz dicht. Ich hab offiziell eine Macke, denn ich glaube, dass ich eine Figur in einem Buch bin, oder eher in einer Geschichte. Ein Buch ist vielleicht zu viel für mich ganz allein.“

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geflüstert: glas

25. Mrz 2010

zum Text

„Hoffnung durchzuckte Angel wie ein plötzlicher, intensiver Schmerz, so unvermittelt, wie wenn man mit dem nackten Fuß auf einen spitzen Stein trifft. Dann verging sie wieder. Sie durfte nicht zu viel auf einmal hoffen.“
(Seite 326)

Gaile Parkin – Kuchen backen in Kigali

Gaile Parkin – Kuchen backen in Kigali

Wie die Glasur eines Kuchens umschließt die Geschichte von Angel all die anderen. Sie und ihr Mann Pius ziehen nach dem Tode ihrer beiden Kinder ihre 5 Enkel groß. Um sich etwas Geld für den Lebensunterhalt der großen Familie dazu zu verdienen, backt und verkauft Angel Kuchen. Und zwar die besten und hübschestes Kuchen in ganz Kigali. Sogar die Botschaftlergattin von Tansania hat eine Bestellung bei ihr aufgegeben, aber darüber schweigen wir lieber, an diesen Kuchen erinnert sich Angel nicht gern.

Viele verschieden Menschen kommen zu ihr, um Kuchen zu bestellen. Um ihre Aufgabe gut zu erledigen, fragt Angel nach, sie ist schließlich eine professionelle Person. Ein guter Kuchen darf nicht nur lecker schmecken. Ein guter Kuchen steckt voller Phantasie und muss sorgfältig ausgesucht werden. So erfährt Angel viel über ihre Kunden und wir über die Menschen in Kigali.

Gaile Parkin hat selbst in vielen Ländern Afrikas erlebt und schafft es authentisch die Sprache und das Lebensgefühl mit ihren Worten einzufangen. Nicht nur das „Eh!“, das in seiner Häufigkeit uns Europäern seltsam anmutet, auch die Sprachenvielfalt mit Swahili, Kinyarwanda, Englisch und Französisch vermittelt das unvergleichbare Gefühl vor Ort zu sein.

Es fällt mir schwer zu erklären, warum dieses Buch mich so begeistert. Es sind die Kleinigkeiten, die mein Herz berühren, dass Angel ihre Brille unter das Bett legt, um morgens nicht versehentlich drauf zu treten, dass Bosco, wenn er aufgeregt ist, Wörter doppelt ausspricht, dass Angel nur den Namen des Hausmädchens kennt und andere nur den Namen des Arbeitgebers, dass Angel offen zu gibt, dass mache Dinge so kompliziert sind, dass man davon Kopfschmerzen bekommt, dass Liebe manchmal lügt. Es gibt so viele verzaubernde Nebensächlichkeiten, dass ich sie hier nicht aufzählen kann.

Die Stärke des Buches ist jedoch seine Ruhe. Es ist angefüllt mit Pausen und Auslassungen, manchmal beruhigend und manchmal schmerzvoll. Es gibt uns genug Zeit, über die Dinge nachzudenken, zum Beispiel der Völkermord in Ruanda. Mir stehen die Tränen in den Augen, während ich von den Grausamkeiten lese, die ich dazu nachgeschlagen habe. Der Völkermord in Ruanda ging über Monate. Doch ist es erschreckend, dass in nur 3 Monaten, in nur 100 Tagen, so viele Menschen sterben konnten. Man sagt es waren bis zu 1 Million Tote, selbst vorsichtige Schätzungen gehen von 500.000 aus. Nachbarn töteten Nachbarn, namenlose Tote irgendwo verscharrt….Fakten, die mich sprachlos machen. Wie ist es nur möglich….

Ich werde Angel vermissen, ihre Ruhe, ihre zurückhaltende Weisheit und ihre Stärke. Es war schön die Welt aus ihren Augen zu sehen. Aber ich werde sie besuchen und mit ihr Tee trinken.

Ich widme diese Rezension einer Freundin, die mir beim Lesen immer wieder vor Augen war und die in ihrer Sanftmut ein bisschen Angel ist.

Abschied

03. Feb 2010

>>Liebster, was bist du so traurig? Uns war beiden klar, dass einer von uns zuerst gehen wird. Du warst immer der stärkere von uns beiden. Du wirst auch auch ohne mich klar kommen.<<
Ein Beben geht durch den Körper des alten Manns, der einsam an einem offenen Grab steht.
Seine sonst so aufrechte Gestalt ist müde zusammengesunken und die Schultern hängen herab. Die kleine Lichtung ist völlig leer. Nur zwei hochgewachsene Kiefern leisten ihm in dieser Einsamkeit Gesellschaft.
>>Es schneit… sieh nur Liebster, wie schön der Schnee herab sinkt. Der erste Schnee des Jahres… Du hast es mir nie gesagt, warum es dir der liebste Tag des Jahres ist. Aber ich wusste es von Anfang an.<<
Ein kurzes Lächeln huscht über das Gesicht des Mannes. Flüchtig wie die Eisblumen im Licht des Morgengrauens, doch die Trauer übermannt ihn schnell wieder. Kraftlos schlägt er die Augen nieder und die Tränen, welche er bisher mühsam zurückgehalten hat, fließen nun unaufhaltsam. Sein Weinen ist still und Erdbeben-artig wird sein Körper wieder und wieder von Emotionen durchgeschüttelt.
>>Ja ich weiß es und aus dem selben Grund liebe auch ich den ersten Schnee. Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern. Der Schnee war so leicht und ich versuchte ein paar Flocken mit dem Mund zu fangen. Ich bin gestolpert und musste mit den Armen rudern, um den Halt nicht zu verlieren. Dann bin ich direkt in deine Arme gefallen. Und ich vergesse nie, was du zu mir gesagt hast.<<
Der Witwer hebt das Gesicht in den Federschnee. Mit geschlossenen Augen spürt er, wie die Flocken auf seiner warmen Haut landen und in den Spuren seiner heißen Tränen schmelzen.
>>Ich werde mich in dich verlieben.>> murmelt der Mann in den wispernden Wind.
>>Ja, das hattest du gesagt. Von deinem schelmischen Grinsen sind mir die Knie ganz weich geworden. Wenn du mich nicht gehalten hättest, wäre ich in den Schnee gefallen.<<
Der alte Mann holt ein weißes Taschentuch hervor und wischt sich über das blasse Gesicht. Dunkle Schatten liegen unter seinen Augen. Aus der anderen Manteltasche nimmt er eine Blüte. Eine hellblaue kleine Aster.
>>Ich habe diese Geschichte wieder und wieder erzählt. Und du bist nie müde geworden mir zuzuhören. Ich werde dein Lächeln vermissen, mein Liebster.<<
Stumm starrt der Mann ins Grab. Die Hände sind zu Fäusten geballt. Die Blüte ragt daraus hervor wie ein winziges Schwert.
>>Du musst Abschied nehmen. Du kannst nicht ewig hier stehen bleiben. Wir haben schon einmal eine Zeit ohne den anderen erlebt. Du bist stark, du wirst es wieder schaffen. Wie habe ich mir die Augen nach dir ausgeweint, als du zum Studium nach Oxford gegangen bist. Auf meinem Nachttisch stand das Bild von dir vor dem Blackwell’s Bookstore und ich habe es jede Nacht vor dem Einschlafen angesehen . Aber es waren deine Worte beim Abschied, die mich aufrecht gehalten haben.<<
Ein Schluchzen hallt über die einsame Wiese, unerhört laut gegen die Stille des Tages. Nur langsam öffnet er seine Hände und lässt die Blume in das offene Grab fallen.
>>Ich werde immer bei dir sein.<< flüstert er mit gebrochener Stimme.
Zögernd dreht er sich um und geht.
>>Und ich immer bei dir, Liebster.<<

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Fingerübung
Muse Kubine:

1.Oxford 2.Geschichte 3.verlieben 4. rudern 5.Blackwell’s Bookstore

Salzwasserwellen

28. Jan 2010

Salzwasserwellen

Salzwasserwellen