Ich wisst, ich schreibe ein bisschen und auch wenn das ganze Prozedere des Veröffentlichen und der professionelle Literaturbetrieb noch ziemlich fern scheint, versuche ich mich doch zu informieren und bin besonders an den Einsichten in die Verlagswelt interessiert. Die deutsche Verlagswelt scheint sich zu modernisieren.  Ein Verlag ohne eine Facebookseite scheint es nicht mehr zu geben. Es wird getwittert und vereinzelt trauen sich die Verlage sogar schon auf Youtube. Der Hanser Verlag hat auf seinen Youtube Kanal eine spannende Reihe „Michael Krüger spricht über Hanser Berlin „, die jeden Mittwoch eine neue Folge veröffentlicht. Herr Krüger spricht über Bücher, über das Verlagswesen, die Buchmesse.
In Folge 9 der Reihe stellt Herr Krüger den Hanser Berlin Verlag vor und die Gründe, warum man sich für einen neuen Verlag im Hause Hanser entschieden hat. Das Video war in interessant, aber auch erschreckend.
Aber seht ersteinmal selbst.

Besonders das Ende des Videos weckte meine Aufmerksamkeit. Mit welcher prägnanten, ja fast prekären Wortwahl das Thema Ebooks behandelt wird, ist nicht nur sehr aussagekräftig, sondern meiner Meinung nach auch manipulativ.

Ebooks sind eine Pest!? Sie sind eine Krankheit, deren Heilung es bedarf? Ein Gift sogar, welches den Leser bedroht?
Oder leiden die großen Verlage vielleicht unter Burn Out?

„... Und haben entsetzlich viele Gespräche geführt, über die Zunahme an Ebooks, die komplizierte Lage, in die dadurch der deutsche Buchhandel kommt.  Überhaupt die Veränderungen, die in unserer Branche täglich deutlicher werden. Und unsere Medizin gegen diese, doch in der Tendenz pessimistische Aussicht, kann nur heißen, gute Literatur. …“
Michael Krüger

Also Youtube und Facebook: „JA“, aber Ebook: „Wer das liest, ist doof!“?

Habe ich etwas verpasst. Ist es technisch nicht möglich „gute Literatur“ auf ein Ebook zu laden oder ist es die Angst in der Vielzahl der Neuveröffentlichungen unter zu gehen?
Woher kenne ich nur dieses Verhalten?

Eine  alteingesessene Institution proclamiert den Fortschritt als Blasphemie und bläst zur Hexenjagd um den eigenen Machtverlust zu verhindern.
Wusstet ihr, dass die ersten Dampfloks aufgrund ihrer „rasenden“ Geschwindigkeit als gesundheitsgefährdend galt? Und es war kein Zufall, dass gerade die Postkutschenfirmen sich besonders lautstark um ihre Fahrgäste sorgten.

Es mag beänstigend sein mit welcher Fülle und Schnelligkeit sich der Ebookmarkt füllt und der gediegende deutsche Buchhandel kommt vielleicht mit einer solchen Veränderung nicht klar. Schlimmer wäre jedoch, wenn durch die Massen an, zugegebenermaßen qualitativ nicht immer ebenbürtigen, Publikationen, eine nur oberflächlich verborgene Arroganz an die Oberfläche gespült würde.

Ich finde, die Angst vor dem Fortschritt  steht einem so gestandenem Verlag nicht gut zu Gesicht. Die Diskussion, ob Ebook ja oder nein ist schon lange gegessen. Das zeigen die Zahlen. Das haben sogar schon große Publikumsverlage erkannt, da hilft auch kein giftiger Seitenhieb der intellektuellen Literaturelite.

Was sagt ihr? Oder habe ich vielleicht das Video völlig misinterpretiert?

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