John Updike – „Die Witwen von Eastwick“ ** (2/5)

22. Mrz 2010

John Updike - Die Witwen von Eastwick

John Updike - Die Witwen von Eastwick

Jane, Alex und Sukie sind wieder da.

John Updike und seine 3 Grazien sind für einen letzten Sommer zurück nach Eastwick gekommen. Darauf habe ich Jahre gewartet und gefreut und nun sind sie da.
John Updike füllt diesen Roman mit einer Vielzahl von interessanten Themen. Angefangen bei den Reisen der Witwen durch Kanada, Ägypten und China bis hin zu den sozialen Themen Freundschaft, Familie, Altern und Tod, sogar einen Abstecher in die Physik mit den Elektronen, Neutronen und Protonen, die sich wie Menschen abstoßen und anziehen. Das Wiedertreffen mit den 3 Frauen, die mich in meiner Jugend stark beeindruckt und beeinflusst haben, war zugleich schön und auch traurig, denn sie sind alt geworden meine 3 Grazien.

Alle drei wenden sich nach ihrem herrlich skandalösem Treiben in der Van-Horn Villa von Eastwick ab und finden in verschiedenen Städten zurück in die Gesellschaft. Jede heiratet und erst nach dem Tod ihrer Männer finden sie wieder zusammen. Erst allein, dann zu zweit und schlußendlich, nachdem auch Sukie zur Witwe geworden ist, auch zu dritt erkunden sie erst die Welt und dann Eastwick. Doch hier hat man sie nicht vergessen.

John Updikes Sprache ist ausschweifend und bildreich. Doch was im Original noch melodisch und kunstvoll wirkt, ist im deutschen leider oft kompliziert und anstrengend. Teilweise werden stimmungsvollen Beschreibungen der Reiseorte zu langatmigen Schulstunden, während ich darauf warte, dass die 3 Hexen zueinander finden oder wissen möchte, was sie denn nun gemeinsam aushecken werden.

Waren „Die Hexen von Eastwick“ noch ein Ausbruch an Energie, eine Ode an die Freude und am Leben, finde ich hier einen Autor, der das Leben kennt und die Menschen durchschaut und dem es gelingt mit treffenden Sätzen ihre Eitelkeiten darzustellen nicht ohne den Humor zu verlieren. Doch fühle ich mich ein wenig erdrückt von der Last des Alterns, die Schwere der Glieder und der Bitterkeit des Todes. Vielleicht bin ich zu jung um mit dem Thema so selbstverständlich umzugehen oder werde es nie können wie Updike, doch auch den 3 Hexen scheint die Leichtigkeit verloren gegangen zu sein. Obwohl alle drei ihre Zauberkünste wieder anwenden, versucht niemand von ihnen zu fliegen, nicht einmal Jane. Ich einnere mich, dass es dazu die Leichtigkeit eines Lachen bedarf.

Wer sich also auf ein fröhliches Hexentreffen gefreut hatte, dem möchte ich hier lieber abraten. Doch Updike ist ein Künstler was die Darstellung der Menschen betrifft. Seine interessanten Beobachtungen von Selbstdarstellung und Selbstbetrachtung sind nicht immer schmeichelhaft, doch manchmal amüsant und immer wundervoll treffend beschrieben.

Nur 2 von 5 Sternen, weil es mich schmerzt sie so zu sehen, die ehemals so lebenslustigen und stolzen Frauen, die Hexen von Eastwick. Und trotzdem, wenn man weiß, worauf man sich einlässt, kann ich das Buch empfehlen.

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4 Responses to “John Updike – „Die Witwen von Eastwick“ ** (2/5)”

  1. ruedigerhajo Says:

    Ja die Liste, bin mal zufällig drüber gestolpert und hab eigentlich vor zu jedem Buch noch einen Artikel zu schreiben, wenigstens einen kurzen bin aber bisher grandios an meiner Faulheit gescheitert.
    Bei Terrorist war mein Problem, dass ich keinen Zugang zu Ahmads Gedankenwelt gefunden habe und so kein glaubwürdiges Motiv hinter seinem Handeln erkennen konnte, aber vielleicht war genau das von Updike so beabsichtigt. Zu Updike bin ich über Philip Roths American Pastoral gekommen, dass mir richtig gut gefallen hat. Ansonsten wenn man mich nach meinem Lieblingsautor fragen würde, wäre das im Moment wohl Cormac McCarthy, zu dem ich auch schon einen Artikel-Entwurf habe, da sollte ich auch mal weiter schreiben.

    • wortsplitter Says:

      Also ich verbreite hier jetzt mal einfach ins blaue noch ein paar Bücher, die mich gefesselt haben. vielleicht ist etwas dabei für doch.
      Tina Uebel – Die Wahrheit über Frankie
      Orson Scott Card – Enders Game (und Speaker for the Dead)
      Virginie Despentes – Pauline & Claudine
      Und auch wenn Fantasy vielleicht nicht ganz dein Geschmack trifft
      China Miéville – UN LUN DUN – das erste Buch, dass mich dieses Jahr begeistert hat.
      Such dir was raus, wenn etwas für dich dabei ist. Freut mich, dass du gefragt hast.

  2. ruedigerhajo Says:

    Habe neulich mit Terrorist mein erstes Buch von Updike gelesen und war dann doch recht enttäuscht. Es war aber nicht so, dass ich ihm keine zweite Chance geben würde und da du ja mindestens 2 seiner Bücher gelesen hast, wollte ich mal fragen ob du einen Tipp für mich hast? Gerne auch im englischen Original.

    • wortsplitter Says:

      Ich hab tatsächlich nur diese beiden Bücher von ihm gelesen und “Die Hexen von Eastwick” hat mir sehr gut gefallen. Lang lang ists her. Passte gut in die Zeit damals und war auch ein wenig ein “Frauending” also bin mir nicht sicher, ob es dir gefällt.
      Empfehlungen sind auch deshalb schwer, da ich ja keinen Schimmer habe, was du so gerne liest. Ich bin dann mal durch deinen Blog gehuscht und hab diese http://ruedigerhajo.wordpress.com/2010/03/01/bucher-meta-liste/ Liste gefunden. Keine Bemerkung, welches der Bücher deinen Geschack getroffen hat, nur bedingt hilfreich also *g*
      btw “The Taming of the Shrew” von Shakespeare IST empfehlenswert. Was hat dir an “Terrorist” nicht gefallen? ich finde Udike hat wirklich eine erschreckend genaue Erkenntniss über die eigenen Selbsttäuschung, aber dann sind da wieder Längen, die man nur schwer überbrücken kann.
      Wenn Updike, dann das Original. Ich hatte von den Witwen beide Exemplare zu Hause. Erschreckende Unterschiede.

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