Edith Kneifl – Stadt der Schmerzen **** (4/5)

30. Jul 2011

Edith Kneifl - Stadt der Schmerzen

Edith Kneifl - Stadt der Schmerzen

„Ein packendes Krimidrama“ und „raffinierte(r) Psychothriller“, wie der Text auf der Rückseite des Schutzumschlages verspricht, hatte ich gesucht, doch leider nicht gefunden. Dabei muss sich der außergewöhnliche Stadtführer mit Krimi-Note gar nicht hinter solch schlagkräftigen Genre-Schubladen verstecken. Und obwohl ich es genossen habe mit Katharina Kafka durch Florenz zu wandern und die Schönheit der Stadt zu bewundern, sind meine Erwartungen nicht erfüllt worden.


Eigentlich schade, dass der Lesespaß durch eine solch unnütze Fehleinschätzung gemildert wird.

Es war also kein Thriller und der Krimi, obwohl Katharina wieder ihre Nase in einen Mord stecken muss, spielt nur eine Nebenrolle. War das erste Buch über die taffe Zigeunerin und ihrem Sissi-verrückten Freund Orlando eine Hommage an Wien, so spürt man in dem zweiten Buch die Liebe und Faszination der Autorin zu der italienischen Stadt Florenz in jedem Satz. Diesmal führt Edith Kneifl allerdings mit viel mehr Fingerspitzengefühl durch die historischen Straßen, mit ihren eindrucksvollen Häuser, Kirchen und Museen, in deren Schatten nicht nur die blutrünstigen Geschichten der Vergangenheit lauern.

Auf der Beerdigung von Orlandos Vater in Florenz kommt es zu einem weiteren Todesfall. Ein Mord. Während sich Orlando mit einem neuen Flirt amüsiert, gerät Katharina immer wieder in gefährliche Situationen. Es scheint, als stecke die Familie des Verstorbenen tief in schmutzigen Geschäften. Auf dem heruntergekommenen Landsitz finden sie junge Roma, von denen man angeblich nichts gewusst haben will. Hat Orlandos Familie tatsächlich etwas mit dem Mädchenhandel zu tun?

Das Schicksal der Roma spielt auch in diesem Buch wieder eine wichtige Rolle. Auch wenn ich Anteil an den schlimmen Lebensumständen dieses gebeutelten und vertriebenen Volkes habe, liest sich der erhobene Zeigefinger in der eher leichten Unterhaltungsliteratur unbalanciert und moralisierend.

Ich habe Gefallen an dem ungewöhnlichen Genremix gefunden. Edith Kneifl hat ihre Figuren mit Charakter und sympathischen Eigenheiten gezeichnet, da stört es auch nicht, wenn sie hin und wieder ein klein wenig überzeichnet wirken.
Wenn man Interesse an Florenz hat und darauf einlässt von Edith Kneifl enthusiastisch durch Kirchen und Straßen führen zu lassen, dann macht das Buch nicht nur Lust auf einen Besuch in dieser geschichts- und kunstträchtigen Stadt, sondern auch auf einen neuen Fall mit Katharina und Orlando. Ich bin schon gespannt, wohin mich die Autorin als nächsten führt.
Edith Kneifl

Edith Kneifl gehört wohl zu den bekanntesten Krimiautoren Östereichs.

Homepage der Autorin

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4 Responses to “Edith Kneifl – Stadt der Schmerzen **** (4/5)”

  1. Thomas Says:

    Öha, ich muss meinen letzten Satz umschreiben *hust*, da hier gewisse Ähnlichkeiten bestehen, wie ich gerade überrascht feststellen musste. Na ja, ich hab die Rezi eh erst in Woche 43 eingeplant.

    In Sachen „gutes Buch“ sind wir einer Meinung. Ich fand den ersten Teil aber lustiger. Und ein Psychothriller ist es tatsächlich (wieder) nicht …

    • wortsplitter Says:

      😀 na kuck, da sind wir sogar richtig ähnlicher Meinung. Aber es kann gut sein, dass der erste Teil lustiger war, aber bei mir ist dieses Gefühl in einer Werbesendung zu sitzen, stärker hängen geblieben. Der Humor hat da aber einiges rausgerissen, sonst hätte ich auch nicht den nächsten Teil gelesen.

  2. Thomas Says:

    Ah ja, du erinnerst mich daran, dass dieses Buch noch (fast) ganz unten in meinem Stapel liegt. Nach der Sommerpause sollte ich es dann mal in Angriff nehmen. Deine Zeilen steigern meine Neugier … auch wenn ich jetzt schon davon überzeugt bin, anderer Meinung zu sein. Mal sehen …

    • wortsplitter Says:

      Soso, wovon du so alles überzeugt bist 🙂 Mal sehen, wäre ja nicht das erste Mal *g*. Aber mir gefiel die Mischung diesmal. Viel besseres Fingerspitzengefühl. Ich denke, dass Eidth Kneifl hier ein wirklich gutes Buch geschrieben hat, da werden wir wohl doch einer Meinung sein 🙂

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