Eine Frage hab ich da noch …an Holger Weinbach

19. Dez 2010

Wie versprochen gibt es heute das Interview mit Holger Weinbach.

Wie bist du auf die Idee zur Eiswolf-Saga gekommen?

Holger Weinbach:

Ich war auf der Suche nach einer guten Geschichte. Zunächst einmal unabhängig vom Genre, waren mir für den Plot die Hauptfiguren wichtig. Recht schnell zeichnete sich ab, dass sich die Geschichte für einen Fantasy-Roman eignen würde. Doch damals, 2004, war der Harry-Potter-Hype ziemlich groß und ich fürchtete, als „Trittbrettfahrer“ dieser Welle bei Verlagen allein schon des Genres wegen abgelehnt zu werden. Also suchte ich nach einer Alternative und diese bot sich schließlich als historischer Roman an und zwar angesiedelt in eine Zeit, die auch noch etwas Mystik zulässt. Und das ist mit dem Mittelalter in der zweiten Hälfte des 10. Jhdt. gegeben. Zudem ist das Mittelalter eine Art Hobby meinerseits…

Schreiben und Architektur sind beides gleichwertige Leidenschaften? Wie ergänzen sie sich? Profitiert dein „Hauptberuf“ eigentlich von der kreativen Nebenarbeit?

Holger Weinbach:

Nein, die beiden Tätigkeiten sind nicht gleichwertig. Die Leidenschaft liegt eindeutig bei der Schriftstellerei. Der Brotberuf und damit der Verdienst liegt aber nahezu 100 % bei der Architektur. Leider, muss ich sagen, denn wäre jetzt schon über die Bücher Geld zu verdienen, könnte ich meinen Manuskripten mehr Zeit widmen. Dennoch ergänzen sie sich Schreiben und Architektur gut. Manchmal ist der Brotberuf doch sehr technisch und damit trocken. Den Ausgleich hole ich mir dann wieder bei Faolán und Svea. Die Kreativität kanalisiere ich bei beiden Tätigkeiten auf unterschiedliche Weise, wobei die Herangehensweise teilweise sehr ähnlich ist.

Mein größter Kritikpunkt ist die schwarz/weiß Darstellung der Charaktere. Meines Erachtens verliert das Buch dadurch an Tiefe und ist eher ein schönes Märchen, als ein historischer Roman.

Warum hast du die Personen so dargestellt und ändert sich das im zweiten Teil?

Holger Weinbach:

Die Kritik konnte ich gut nachvollziehen. Doch hierzu muss man wissen, dass die Saga ursprünglich als Trilogie geplant war. Der erste Band wäre dem Verlag allerdings zu dick geworden und so regte er die Splittung in zwei Bände an. Die hatte zur Folge, dass die Entwicklung der Charaktere nicht so stark vorangetrieben werden konnte, wie es ursprünglich für den ersten Band einer damals geplanten Trilogie vorgesehen war. Das ändert sich natürlich mit IRRWEGE. Gut ist nicht immer gut und schon gar nicht selbstlos. Böse bleibt nicht unbedingt böse und falls doch, so hat die Figur ihre (Ab)Gründe. Drogo beispielsweise lernt man besser kennen, seine Beweggründe, etc. Und Brandolf, ehrenwert und rechtschaffen, ist genau das auch nicht immer. Ich denke also, dass der zweite Band den Erwartungen gerecht wird, wenn der Leser Wert auf Charakterentwicklung und –tiefe legt. Grauzonen entstehen und diese werden bis zum Ende der Saga entsprechend ausgebaut und wieder verschoben werden.

Wer ist deine Lieblingsfigur?

Holger Weinbach:

Hmmm … am ehesten würde ich hier Svea nennen wollen. Wobei das nicht ganz eindeutig ist, da alle Charaktere einen Teil besitzen, mit dem ich mich identifizieren kann. Eigentlich liebe ich sie alle, auch die widerlichen und jene, die sterben müssen. Die beiden Markthüter beispielsweise finde ich sehr amüsant und auf ihre Weise interessant. Oder Sigrun, Faoláns Mutter, fand ich liebenswert und eine Perle zu Beginn der Geschichte. Es hat mich schon beinahe ein paar Tränen gekostet, als ich sie habe sterben lassen. Doch nur aus diesem Zweck wurde sie zum Leben erweckt. Aber vielleicht entwickle ich ja noch eine Vorliebe für eine bestimmte Figur. Svea zumindest gefällt mir auf ihre für damalige Verhältnisse unkonventionelle Art und Weise, ihr freches Mundwerk und ihre Sicht der Welt.

Gibt es für deine Romanfiguren Vorlagen im realen Leben, außer den historischen Vorbildern?

Holger Weinbach:

Ja und nein. Es gibt keine 1:1 Figuren, die ich aus meinem Bekanntenkreis in den Roman integriere. Das würde ich auch keinem Autor raten, denn ein Buch sollte keine Plattform sein, um jemanden aus dem realen Leben als fiktive Person darzustellen, sei es nun aus positiven oder negativen Blickwinkel. Aber es gibt gewisse zwischenmenschliche Erfahrungen und Eigenschaften der realen Welt, die ich im Roman wiedergebe. Man könnte also sagen, dass jeder der Saga-Charaktere in gewissen Zügen einen Teil von mir und meinen Erfahrungen verkörpern. Das gilt für die positiven wie auch die negativen Eigenschaften – könnte ich sonst über sie schreiben und sie nachempfinden? Ich bin ein Teil dieser Figuren und sie ein Teil von mir. Wohin das in der Summe führt, sollten wir aber jetzt besser nicht erörtern …

Gibt es neue Ideen außerhalb der Eiswolf-Saga und was machst du mit denen?

Holger Weinbach:

Es gibt schon ein paar Ideen jenseits der Eiswolf-Saga und sie sind in einem völlig anderen Genre angesiedelt. Ich hoffe, dass mich bis zum Ende der Romanreihe meine Leser nicht in eine „Schublade“ gesteckt haben und auch etwas völlig anderes von mir annehmen werden. Diese Ideen ruhen aber erst einmal im Hinterkopf. Recherche dazu betreibe ich noch nicht aber die Plots gären in Ruhe vor sich hin … Wenn es schließlich soweit ist, haben sie hoffentlich eine natürliche Reife erreicht, dass sie schnell auf Papier springen wollen.

Und wie weit bist du mit dem dritten Teil, wie lange lässt du uns diesmal warten?

Holger Weinbach:

Der dritte Teil steht in groben Zügen bereits fest. Es ist definiert, welche der Figuren sterben, welche Verbindungen geknüpft werden und unter welchen Umständen Faolán seinen weiteren Weg beschreiten wird. Doch geschrieben ist davon nur ein Bruchteil – und der ist noch handschriftlich verfasst. Ja, das gibt es auch noch. Die erste Manuskript-Fassungen der beiden ersten Bände waren komplett handschriftlich verfasst. Doch dazu werde ich in Zukunft keine Zeit mehr haben, obwohl ich diesen Prozess, vom Kopf über die Hand durch den Stift auf das Papier wesentlich interessanter finde als den Weg über die Tastatur. Kreativer und freier scheint es mir manchmal.

Aber zurück zur Frage. Der dritte Teil muss also erst noch geschrieben werden und da ich mit dem Schreiben wie bereits geschildert bei weitem noch nicht ausreichend Geld verdiene, um dies ausschließlich zu tun, muss ich mich auch noch meinem Brotberuf widmen. Dies hat zur Folge, dass die Veröffentlichung des dritten Bandes mit dem vorläufigen Titel „Wolfsnacht“ für Frühjahr/Sommer 2012 geplant ist. Gerne früher aber versprechen kann ich es nicht.

Hin und wieder passiert es, dass mir beim Lesen die eine oder andere Frage einfällt und nicht alle lassen sich durch das Internet beantworten. Da ist es toll, wenn man mit den Menschen hinter dem Buch selbst sprechen kann. Holger Weinbach ist ein Autor der nahe bei seinen Lesern ist und das gefällt mir ganz besonders an ihm.
Ihr könnt ihn auf Twitter finden und auf Facebook. Werft doch mal einen Blick auf die Facebookseite der Eiswolf-Saga. Hier finden sich immer neue Informationen über die einzelnen Bände.

Auf Lovelybooks.de gibt es für „Brudermord“ eine Lesegruppe und auch wenn die aktive Leserunde schon eine Weile vorbei ist, beantwortet Holger Weinbach noch immer die dort gestellten Fragen.

Auch für den 2. Band „Irrwege“ ist eine Leserunde mit Autor geplant.

Hier ein kleiner Einblick in das neue Buch:

"Irrwege" bei Amazon bestellenFaolán und Konrad sind an ihrem Verbannungsort auf sich allein gestellt. In dem Kloster, das nach den asketischen Regeln des heiligen Columban geführt wird, haben sie weder Freunde noch scheint dort alles mit rechten Dingen zuzugehen.
Den beiden Büßern bleibt nur noch die Hoffnung, dass Abt Degenar sein Versprechen möglichst schnell in die Tat umsetzen kann und sie bald wieder in ihr Heimatkloster holt. Doch als sich über viele Monate nichts an ihrer Lage ändert, ist Faolán nicht länger gewillt, sich auf die Gunst anderer zu verlassen. Gemeinsam planen Konrad und er eine Flucht, denn sie fürchten Walrams Einfluss in der hiesigen Abtei.
Die Planung benötigt jedoch viel Zeit. Über ein Jahr vergeht. Ein Jahr, in dem Faolán immer wieder um Sveas Liebe bangt. Fernab der Heimat hat er keine Möglichkeit, ihr eine Botschaft zukommen zu lassen oder über sie etwas in Erfahrung zu bringen. Wie wird sich Svea als heranwachsende, junge Frau behaupten? Wie lange wird Alveradis ihre hübsche Gehilfin noch vor den lüsternen Blicken der Männer beschützen können?
Doch nicht nur Faoláns Weg führt ins Ungewisse. Auch Edelherr Brandolf stößt immer wieder auf seinen Widersacher: Graf Rurik! Der junge Ritter muss vorsichtig handeln, um nicht selbst in Gefahr zu geraten. Zwar zählt er immer noch auf die Unterstützung des Kaisers, doch er wird sie nur dann bekommen, wenn er den wahren Erben der Grafschaft gefunden hat. Rurik ist aber ebenso daran interessiert, den Titel an seinen eigenen Sohn weiterzugeben.
Eines Tages allerdings trifft der Edelherr auf zwei verwahrloste Pilger, deren Identität einige Fragen aufwirft, während Prior Walram und der Graf bereits dabei sind, neue Ränke zu schmieden …
Gerade als Brandolf bei seinen Nachforschungen endlich auf eine entscheidende Spur stößt, überschlagen sich die Ereignisse unvorhersehbar. Nicht nur Svea und Alveradis geraten dabei in Bedrängnis, sondern auch Faolán und seine Befürworter. Allerdings rechnet keiner von ihnen mit dem Einfluss jener Männer, die einst für den Überfall auf die Grafenburg verantwortlich gemacht wurden …

Hier findet ihr auch eine kleine Leseprobe zu Irrwege:

Hier klicken

Also lasst euch zu Weihnachten das Buch schenken und macht mit.
Es macht wirklich Spaß mit Holger Weinbach über seine Bücher zu diskutieren.
Ich werd auf jeden Fall wieder dabei sein.

Einen schönen 4. Advent wünscht
eure wortsplitter

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2 Responses to “Eine Frage hab ich da noch …an Holger Weinbach”

  1. Thomas Says:

    Mit großem Interesse gelesen! Danke und liebe Grüße.


  2. […] This post was mentioned on Twitter by GlobalTalk Literatur. GlobalTalk Literatur said: RT @wortsplitter: Eine Frage hab ich da noch …an Holger Weinbach: http://wp.me/pN7E1-mL […]

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