Holger Weinbach – „Brudermord“ ***(fast 4/5)

15. Dez 2010

Das Buch „Brudermord“, aus der Eiswolf-Saga von Holger Weinbach, habe ich schon vor einiger Zeit gelesen. Nun da der 2. Teil endlich im Handel ist, kann ich es euch guten Gewissens empfehlen. Warum erst jetzt?

Die Eiswolf-Saga ist keine Reihe oder Buchserie, hierbei handelt es sich um einen Mehrteiler und hat einen riesigen Cliffhanger am Ende. Mich traf das völlig unvorbereitet und das hätte das Buch fast nicht überlebt. Aber nun könnt ihr den zweiten Band „Irrwege“ gleich hinterdran lesen. Man hat mir glaubhaft versichert, dass es am Ende …nunja, wieder einen Cliffhanger geben wird.
Hmpf… aber diesmal nicht so schlimm, und wir sind ja nun auch gewarnt.

Holger Weinbach ist Architekt und lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Freiburg. Wie er es dabei noch schafft, solche historisch gut recherchierten Romane zu schreiben, ist mir ein Rätsel. Vielleicht ist es die Liebe zum Schreiben und zur Geschichte. Damit die historischen Daten korrekt sind, denn da ist Holger ein wenig penibel, und die Schauplätze stimmig beschrieben werden können, greift er nicht nur auf Fachliteratur zurück, sondern besucht mit Vorliebe auch Originalschauplätzen in Deutschland und Skandinavien.

Um Grunde besteht der Roman aus 3 Geschichten, die voneinander abhängig sind, wie die Figuren, die darin eine Hauptrolle spielen. Im Laufe der Zeit, die unerbittlich voranschreitet und uns als Kapitelüberschriften immer vor Augen geführt wird, berühren sich die Geschichten und verweben sich teilweise.

Ich beginne mit Svea, meiner kleinen Hexe, die ich sofort ins Herz geschlossen habe.
Um von ihrem übelgelaunten Vater wegzukommen, verbingt Svea viel Zeit mit den Schweinen im Wald. Dort findet sie ein Kräuterweib, bei der sie ein neues Zuhause findet, nachdem die Alte sie vor den Schlägen ihres Vaters bewahrt und beschützt hat. Sie lernt viel über das Handwerk der Heilerin und an Markttagen besucht sie die Stadt, wo sie auf Faolan trifft.

Faolan, oder besser Rugar, ist der Sohn des Grafen, dessen misgünstiger Bruder mitten in der Nacht über die Burg herfällt. Nur Rugar kann fliehen, Graf und Gräfin sterben, wie auch viele andere. Der große Verlust, die schrecklichen Erlebnisse und die nervenaufreibende Flucht sind wohl die wahrscheinlichsten Gründe, warum er sich nicht an seinen Namen erinnnern kann, als er irgendwann vom Kellermeister einer Abtei gefunden wird. Dieser erkennt ihn zwar als Grafensohn, doch um den Jungen zu schützen, nennt er ihn Faolan und versteckt seine wahre Herkunft. Denn der Brudermörder wäre nur zu gern selbst Graf geworden; doch er kann jederzeit die Burg und die Grafschaft wieder verlieren, solange Rugar lebt, Sein Leben ist also noch immer in Gefahr.
Jedoch lebt Rurik unter dem Namen Faolan aufgrund seines fehlenden Gedächtnis in dem Kloster recht beschaulich, wenn da nicht Drogo wäre, der sich wie aus Bestimmung gerade den stillen und zurückhaltenden, aber aufrechten Faolan als Prügelknaben ausgesucht hat. Drogo ist ein typisches verzogenes Kind einer Adelsfamilie, der glaubt, schon als Geburtsrecht besser zu sein, als jeder andere und ist natürlich der Sohn des Brudermörders Rurik.
Um den Jungen vor den regelmäßigen Anfeindungen von Drogo und seinen Anhängern zu schützen, nimmt der Kellermeister ihn als Gehilfen auf und so kommt auch Faolan irgendwann an einem Markttag in die Stadt, um Svea zu treffen und sich zu verlieben.

Die beiden werden es nicht einfach haben,  und dass sich das Schicksal gegen ihre Liebe zu stellen scheint, ist klar, schließlich haben wir noch 5 Bände vor uns.

Währenddessen sucht ein weiterer Überlebender des Überfalls nach dem vermissten Grafensohn. Immer wieder erfahren wir, wie Brandulf, ein Getreuer des verstorbenen Grafen, nach dem Jungen sucht. Leider scheint er damit kein Glück zu haben.

Normalerweise fällt meine inhaltliche Beschreibung knapper aus, aber was hier von Holger und dem Acabus Verlag zwischen die Buchdeckel gepresst wurde, ist einfach nicht noch kürzer zu fassen. Da mein Buch gerade verborgt ist, habe ich die „kleine“ Zusammenfassung aus dem Gedächtnis verfasst und das ist nach neun Monaten doch recht erstaunlich und spricht auf jedenfall für das Buch.

Es ist eine wirklich schöne Geschichte, mit Charakteren zum Lieben und Figuren, die man so richtig schön hassen kann, denen es aber leider an Entwicklung und Ambivalenz fehlt. Obwohl die Figuren des Buches liebevoll gestaltet sind und es mir nicht schwerfällt sie vor Augen zu haben, sind sie auch mein größter Kritikpunkt. Die Geschichte gleicht eher einem Märchen in dem die Figuren stark überzeichnet einem bestimmten Weg zu folgen haben. Mir fehlt es auch an inneren Einsichten, die mich verstehen lassen, warum Faolan ohne Gegenwehr die Gemeinheiten Drogos hinnimmt oder warum dieser sich den Weisheiten des Klosters verschließt und immer mehr wie sein Vater wird. Dieses stereopyte Verhalten nimmt dem Roman die Tiefe, nicht jedoch den Lesespaß. Denn wie ich schon sagte, ich liebte, ich hasste und ich litt.
Vieles wird meines Erachtens etwas zu knapp abgehandelt, da musste wohl auf die Seitenzahl geachtet werden, doch Holger Weinbach hat ein Talent mit wenig viel Atmosphäre zu schaffen und so passiert es auch selten, dass es zwischendurch langweilig wird.

Hier findet ihr noch eine weitere Rezension:
Literatur und mehr
Thomas Lawall von Querblatt
Lest doch selbst rein:

Zum 4. Advent gibt es dann noch ein kleines Interview und erste Einblicke in den 2. Teil der Eiswolf-Saga.

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4 Responses to “Holger Weinbach – „Brudermord“ ***(fast 4/5)”


  1. […] This post was mentioned on Twitter by GlobalTalk Literatur, GlobalTalk Literatur and Holger Weinbach, Simone Wilhelmy. Simone Wilhelmy said: Holger Weinbach – "Brudermord" ***(fast 4/5): http://wp.me/pN7E1-la […]

  2. Thomas Says:

    Hoppla, ganz vergessen. Ich freue mich auf das Interview …

  3. Thomas Says:

    Holla, was für ein Tag. Heute schneit mir (im wahrsten Sinne des Wortes) der zweite Band ins Haus, und nun kommst du mit einer Rezi zum ersten Teil. Genial! Wieso? Na, du lieferst mir eine umfassende Inhaltsangabe, was mir den Einstieg in den zweiten Band nicht unwesentlich erleichtert. Dennoch habe ich ein Problem. Heute fängt meine Lesepause an. Ausgerechnet heute. Was für ein Tag. Nun ist guter Rat teuer …

    • wortsplitter Says:

      Meine „Irrwege“ sind heute auch gekommen *freu* besonders, da ich morgen eine lange Autofahrt vor mir habe und eine Woche bei Muttern, da ist es immer gut, wenn man Fluchtmöglichkeiten hat 😀

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