Der Weltenbaum I – die grüne Weltenblüte

07. Okt 2010

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Teil 2

Die Legende erzählt von einer Ruine in den Ebenen des Himmelgebirges. Vor sehr langer Zeit sei es ein heiliger Ort gewesen. Ein Ort der Zusammenkunft und Weisheit. Hier lagerten Schriftrollen, zusammengetragen aus allen Himmelsrichtungen von Gelehrten aller Rassen, um die Weisheit zu bewahren gegen die Dunkelheit. Die zerstörten Überreste der Halle des Wissens werde von Geistern und Schatten bewacht, so heißt es in den wenigen Hinweisen auf Coperto – der versteckte Ort. Eine einzelne Rose stehe in der Mitte. Ihre Ranken haben die Ruine vollkommen überwuchert und die Dornen verweigern Unwissenden den Eintritt in die Halle. Nur nach einer Prüfung des Geistes stehe es den Suchenden frei einzutreten. Nur Wenige brachen auf diesen Ort zu finden. Niemand ist je zurück gekehrt, um zu berichten, was im Inneren sei. Alte Geschichten erzählen vom Weltenbaum, dessen Wurzeln im Strom des Lebens selbst wurzeln und dessen Äste den Himmel tragen. Die Rose von Coperto sei ein Teil dieses Baumes und ermögliche Wissenden an andere Orte zu reisen, um dort zu lernen. Niemand erinnert sich, wie man den Durchgang öffnen kann.

Sie hatten den dunklen Magier unterschätzt. Sicher, der Zauber, mit dem er den Brunnen vergiftete, war stark und überraschend komplex. Doch wer rechnet schon damit, dass ein Mensch, der in der Lage ist, den Boden unter ihren Füßen zum Beben zu bringen, sich mit einem winzigen Brunnen in einer dünn besiedelten Region zu Frieden gibt. Der Magier, mit dem sie es zu tun haben, hätte gegen eine Armee antreten können. Aber sie sind nur zu viert.

Andesit versucht seinen Zwergenkörper mit verbissener Wut aufrecht zu halten, während Frek laut über den Dreck auf seiner Magierrobe lamentiert.

Andesit“ ruft eine zierliche Elfe.

Trotz ihrer fast menschlichen Größe ist deutlich ihre elfische Herkunft zu erkennen. Sie winkt dem Zwerg und ruft: „Andesit, hilf Fabales. Er schafft es nicht allein die Erdmagie zu bannen.“

Wellenartige Erdbeben erschüttern immer wieder das Land und werfen die Abenteurer zu Boden.

Bei den Ahnen!“ murmelt der Zwerg leise und verschwindet im Gehölz, welches die kleine Lichtung umgibt.

Die Elfe hilft dem Menschen wieder auf. „Frek, wir sollen den Brunnen suchen. Fabales vermutet, die Vergiftung des Wassers stärkt seine Kräfte. Fühlst du dich dem Bann gewachsen?

Der erboste Blick des Gildenmagiers lässt die kleine Elfe schmunzelnd.

Ist schon gut Frek, verzeih mir die Frage.

Hast du die Schatulle mit dem Trank, den ich vorbereitet habe, Shania?“

Es ist eine unausgesprochene Tradition ihrer kleinen Gruppe, dass Frek nichts bei sich trägt, was bei einem Fall zerbrechen könnte.

Sicher… Beeilen wir uns.“

Shania verzieht angewidert das Gesicht. Hier am Fuße des Brunnens stinkt es nach Tod und Verderben.
Die Vorbereitung für den Bann waren langwierig. Nächtelang hatte Frek über seine Bücher gehockt, sich den Schlaf aus den Augen reibend, und die Struktur des Zaubers wieder und wieder nach einer Schwachstelle geprüft. Während er sich auf das reinigende Ritual vorbereitet, entfernte Shania die toten Tiere und Pflanzen.

Frek blinzelt zwischen halb geschlossenen Augenlider. „Bist du sicher, dass du da runter willst?“

Hab ich eine andere Wahl, mein lieber Frek?“ Die Elfe stellt eine kleine Kiste auf den Boden zwischen ihnen und holt den Trank hervor. Der Magier schüttelt besorgt den Kopf, doch da klettert sie schon, flink wie ein Eichhörnchen am Seil hinab in das Wasser. Frek wird den Bann sprechen, Andesit und Fabales sind damit beschäftigt den Magier aufzuhalten. Nur sie kann es tun.

Es ist ein widerliches Gefühl in das verdorbene Wasser zu steigen. Sie mag nicht daran denken, was die Berührung mit dem Gift für Auswirkungen haben könnte.

Binde dich am Seil fest, Shania.“ hört sie Frek rufen. Fast hätte sie es vergessen. Umgeben von den Dämpfen und der Magie fällt es ihr schwer zu denken. Sie nickt dankbar und knotet sich den Strick für den Eimer um die Hüften. Dann taucht sie unter, schnell, sonst würde sie sich nicht überwinden können. Das Wasser färbt ihre kurzen, weißen Haare dunkelrot. Wie Frek vorausgesagt hatte, Blutmagie. Nur mit Hilfe ihrer elfischen Sinne findet sie den verfluchten Schädel, der die Quelle vergiftet. Die frevelhafte Magie nagt an ihr, nimmt ihr jeglichen Mut. Mit letzter Kraft taucht sie wieder aus dem Wasser auf. Doch sie ist der Dunkelheit, die in dem Fluch streckt nicht gewachsen. Als sie ohnmächtig wird, übermannt sie der Alptraum.

Frek muss nun schnell handeln. In der Sprache der alten Weisen murmelt er den Bann und gießt den Trank in das Wasser. Seine Hände zittern, als er die komplizierten Muster des Zauber zu durchbrechen versucht. Das leise Wimmern aus dem Brunnenschacht, lässt ihn all seine Macht zusammennehmen. Sorgfältig sucht er den Punkt, an dem der Fluch am ehestens nachgibt und stemmt seinen Geist dagegen, bis er spürt, wie die Natur unvermittelt aufatmet. Prüfend flüstert er die Worte, die ihn Magie sehen lassen. Wo der Zauber in dem Gefüge der Natur Schäden verursacht hat, sieht er die Risse und Brüche in der ursprünglichen Beschaffenheit, aber der Fluch ist gebannt. Erleichterung durchflutet Frek, für einen Moment hatte er geglaubt, er wäre nicht stark genug.
Über den Brunnenrand gebeugt ruft er nach seiner Freundin.

Shania?“

Wie eine weiße Blüte treibt sie auf dem Wasser des Brunnens.

Er benötigt all seine Kräfte, sie aus dem Brunnen zu ziehen. Schwer atmend nimmt den Totenkopf an sich und wirft ihn gegen die Brunnenmauer. Spöde und klirrend wie Kristall zersplittert der Schädel an den Steinen.

Einen kleinen Augenblick ruht er sich aus, doch sie haben keine Zeit. Irgendwo hinter den Bäumen kämpfen ihre Freunde mit dem Magier.

Als hätte Shania seinen Gedanken gehört, reißt sie die Augen auf und flüstert erschrocken den Namen ihres Gefährten. „Fabales…

Sie und der hochgewachsene stille Elf haben eine ganz besondere Beziehung zueinander. Sie waren zusammen aufgewachsen und sie hatte ihn schon früh zu ihrem Gefährten bestimmt. Shania wusste sehr genau, was sie wollte. Eine für Elfen untypische Neugierde trieb sie aus der friedvollen Stille ihres Dorfes zu den Menschen und Fabales ging mit ihr. Er verstand nie, was sie in dem hektischen Treiben der Menschen zu finden glaubte. Aber sie liebten einander, das allein war ihm wichtig.

Die vielen Jahre inniger Nähe verwob ihre Seelen, sodass sie den Anderen in sich spüren und manchmal sogar hören können.

Frek nickt. Er hat die Erschütterung der Macht gespürt. Sie haben den Magier wütend gemacht. Wenn sie ihren Freunden helfen wollten, müssen sie sich beeilen.

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2 Responses to “Der Weltenbaum I – die grüne Weltenblüte”

  1. mirjam Says:

    Finde es grosse Klasse!!
    Dein Schreibstil, deine Fantasie, deine Charaktere… einfach genial!!
    Habe mich schon seit letzter Woche auf den nächsten Teil gefreut 😉 Nun freue ich mich auf den Kommenden.

    wünsche dir ein schönes Wochenende,

    lieber Gruss, mirjam

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