Edith Kneifl – Schön tot ***(3/5)

04. Sep 2010

Edith Kneifl - Schön tot

Edith Kneifl - Schön tot

Edith Kneifl hat wirklich einen angenehmen Erzählstil. Aus Sicht von Katharina Kafka, betritt der Leser den 5. Wiener Bezirk, das Margareten Viertel. Man erfährt viel von den Menschen und wie angenehm man dort abends ausgehen kann. Wer Wien und den Bezirk Margareten kennt, für den ist es bestimmt ein besonderes Vergnügen seine eigenen Lieblingsplätze hier wieder zu finden, denn Edith Kneifl ist bei der Beschreibung der Örtlichkeiten sehr originalgetreu. Auch finden sich die regionalen Größen im Buch wieder. Vom Margareter Bezirksvorsteher Kurt Wimmer und dem Gergely ist die Rede, welcher sich jedoch dezent im Hintergrund hält. Wimmer dagegen mischt aktiv im Geschehen mit. Katharina ist Kellnerin in einem der Lokale vom Gergely. Es ist schon zum Schmunzeln, dass sie es während des gesamten Buches nicht schafft, ihn einmal zu Gesicht zu bekommen, obwohl ihn sonst jeder zu kennen und zu mögen scheint und er doch gerade eben noch da war. Ein kurzer Blick auf die Seite mit dem Impressum zeigt, der Herr Gergely wars auch, der den Impuls zum Roman gab. Die Menschen im Viertel sind wie eine großen Familie, man kennt sich, man mag sich und man trifft sich in den Margareter Lokalen und Wirtschaften, auch Beisl genannt.

Oh ach ja, da war doch noch was. So ganz nebenbei ermitteln Katharina und der schöne Transvestit Orlando, der sich nach einem Angriff auf ihn bei Katharina einquartiert, in den Fällen der toten Schönheiten. Denn in dem schönen und beschaulichen Margareten scheint ein Serienmörder sein Unwesen zu treiben.

Naja, ermitteln ist jetzt vielleicht etwas zu viel gesagt, man trifft sich im Gergely’s oder im Silberwirt auf ein Margareten Bier und etwas leckeres zu Essen und plaudert in entspanntem und Stil sicherem Ambiente über Mordmotive und Tathergang. Erst zum Ende hin nimmt die Geschichte ein wenig Spannung auf.

Der Klappentext verspricht einen spannenden Psychothriller, aber das ist leider mehr als übertrieben. Und ich bin ein wenig enttäuscht. Denn auch wenn  ich mich Fakten zu dem Volk der Sinti immer interessieren, wirken sie hier etwas zu bemüht. Unangenehm fällt die einzige Sexszene in dem Buch auf, nicht weil sie meiner Meinung nach völlig unnötig ist, sondern weil sie so gar nicht in die Handlung passt.
Doch trotz allem hat mir das Lesen wirklich Spaß gemacht. Edith Kneifl schafft es, dass mir Katharina und der nervige Orlando schnell sympathisch werden. Auch ohne viel Spannung  ist die Geschichte durchaus unterhaltsam, obwohl es weder Thriller noch ein wirklicher Krimi ist.
Es ist eher eine geniale Marketingidee um das Margareten Viertel und die zahlreichen Angebote dort zu bewerben, vom Juwelier über einen Computer Hilfsdienst und einem Skoda Händler, der offensichtlich von seiner Automarke mehr als überzeugt ist, bis hin zu den oft benannten Wirtschaften. Beim Lesen habe ich tatsächlich Lust bekommen dieses wunderbare Viertel einmal selbst zu besuchen, hier werden die Vorzüge eines familiären Dorfes mit den Annehmlichkeiten einer Großstadt verbunden.

Am Ende des Buches versüßt man mir den Beigeschmack einer (wenn auch gut gemachten) Werbeveranstaltung mit einigen interessanten Wiener Rezepten.

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One Response to “Edith Kneifl – Schön tot ***(3/5)”

  1. Thomas Says:

    Fünf Sterne für eine tolle Rezi. Vielschichtig und anspruchsvoll – wie immer!

    Den Humor haste allerdings vergessen.

    Macht aber nix, denn das was ich vergessen habe, lese ich bei dir!

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