Mein Lieblings… – Scifi-Universum

21. Aug 2010

Ihr meint Scifi ist nicht wirklich etwas für euch?

Ihr kennt Ender noch nicht!

Orson Scott Card @Nihonjoe

Orson Scott Card @Nihonjoe

Ender Wiggins ist die Hauptfigur einer Scifi-Reihe von Orson Scott Card und diese Bücher gehören in meiner Bibliothek wohl zu den meist gelesenen. Ich hätte euch jetzt gern ein Foto von dem zerlesenen ersten Band gezeigt, aber ich habe es verborgt. Ich habe es eigentlich immer verborgt, denn so ein Buch muss gelesen werden, immer in der Hoffnung, ich kann meine Begeisterung verteilen, wie eine hochansteckende Krankheit.
Dies hier wird ein sehr umfangreicher Artikel, denn es sind schließlich 8 Bücher, über die ich berichte. Daher habe ich den Inhalt wirklich nur sehr grob umrissen und schreibe mehr über das Lesegefühl, dass mir diese Geschichten vermittelt haben. Lasst Euch von der dem Begriff Scifi nicht in die Irre führen, denn Card erzählt fantastische Märchen über das Gute und das Schlechte im Menschen. Ausserirdische, Weltraumreisen, hochentwickelte Technik und ein intelligentes Computerprogramm sind dabei seine Wahl der Umgebung. Mit Cards Gabe des Erzählens, seinem Einfühlungvermögen und dem sprachlichen Talent webt er Geschichten über Personen, von denen man immer mehr erfahren möchte.
Ihr solltet Ender kennen lernen.

Die Ender-Serie

Das große Spiel - O.S.Card Ender’s Game (1985)
deutscher Titel: Das große Spiel
Heyne Verlag, München
ISBN 3-453-52096-3
Es gibt Ausserirdische und eine Raumstadion in der Umlaufbahn der Erde, doch bitte nicht so voreilig. Vorrangig erzählt Card hier die Geschichte eines Kindes das nur zu einem Zweck existiert, der beste Kommandant der Welt zu werden, um die übermächtigen Krabbler zu besiegen. Und der Weg dahin ist ergreifend, rücksichtslos und mit einer Einsicht in die menschlichen Beweggründe erzählt, dass es erschreckend ist. Was das Buch aber zu etwas Besonderen macht, ist die Figur des Ender Wiggin. In einer Welt, die aufgrund von Überbevölkerung, eine Geburtenkontrolle eingeführt hat, ist Ender als „Dritt“ seit seiner Geburt anders als die Anderen und das macht ihn angreifbar. Doch Ender besitzt etwas, eine Reinheit, eine innere Stärke verbunden mit Moralität, die mich gefangen nimmt und es schwer machen, zu lesen, wie er wieder und wieder kämpfen muss, obwohl er das gar nicht will. Und das schafft er, obwohl er sich an Regeln hält, wenn andere es nicht tun, oder er gar nicht weiß, welche Regeln herrschen, da diese immer wieder geändert werden.
In der Kampfschule lernt er Taktik, Disziplin und auch das erste Mal, was es heißt, Freunde zu haben, entgegen allen Versuchen seiner Lehrer. Und der Leser ist immer mittendrin, wenn Ender sich plagt, zu verstehen, was mit ihm passiert. Es ist das Zwischenmenschliche, der innere Kampf, der mich das Buch immer wieder lesen lässt. Wieviel der Menschenrechte, der menschlichen Würde und Prinzipien geben wir auf, angesichts einer Bedrohung. Wie kann man es verantworten das Leben eines Kindes von Beginn an zu manipulieren und, ohne Rücksicht auf dessen Glück, einen Menschen formen, weil man glaubt nur so könnte man die Welt retten. Das ist ein Thema, dass es in einer Vielfalt schon gibt und auch zu unserer heutigen Zeit aktuell ist. Ich habe mein Herz an Ender verloren und als seins bricht, war auch ich am Boden zerstört. Ein unglaubliches Buch, dass Orson Scott Card da geschrieben hat, zu Recht mehrfach ausgezeichnet und mit Sicherheit mehr als eine spannende Scifi-Geschichte. Ein Schicksalsweg. Ein politischer Spiegel. Ein Nachklang der menschlichen Geschichte.
*
Ender im Exil - O.S.Card Ender in Exile (2008)
Tor Books
ISBN 978-0-7653-0496-4
Oh, hab ich da etwas verpasst? Da hat sich Orscon S. Card tatsächlich noch einmal in Ender-Universum begeben und ein Buch geschrieben. Leider hab ichs noch nicht gelesen, aber das wird sicher nicht lange so bleiben.
*
Sprecher für die Toten - O.S.Card Speaker for the Dead (1986)
deutscher Titel: Sprecher für die Toten
Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach
ISBN 3-404-24103-7
Wie auch schon „Das große Spiel“ ist „Sprecher für die Toten“ ein philosophisches Gedankenspiel über die menschlichen Abgründe, welches diesmal besonders von dem Thema Religion, Ethik und Familie geprägt ist. Ender ist erwachsen geworden und wir haben 3000 Jahre Erdengeschichte übersprungen, denn die Menschen haben in den Weltraum expandiert und Kolonien angelegt. In Begleitung seiner Schwester geht er von Welt zu Welt, rastlos, auf der Suche und mit einer schweren Schuld auf seinen Schultern. Er ist der Sprecher für die Toten, egal ob sie geliebt wurden oder zu Macht gekommen sind. Wenn man ihn ruft, spricht er die Wahrheit. Er erzählt den Hinterbliebenen nicht, was sie hören wollen, sondern wer der Mensch, den sie begraben, wirklich war. Die Wahrheit in all ihrer brutalen Schönheit. Auf dieser Welt nun trifft er auf die einzige Ausserirdische Rasse, die den Menschen auf ihrer Expansion bisher begegnet ist. Card spielt mit dem Konzept der Menschlichkeit und macht es schwierig zu entscheiden, was richtig und was falsch ist, weil es immer mehr als 2 Seiten gibt.
Neben den Gesellschaftlichen Aspekten einer isolierten Kolonie handelt das Buch auch von den „Schweinchen“, eine frühzeitliche, menschenähnliche Gesellschaft schweineähnlicher Wesen. Sie sind keine Gefahr, denn sie stehen technoligisch weit hinter den Menschen, doch der Umgang mit ihnen wirft weitere existentielle Fragen auf. Wieder zeigt Card sein ungewöhnliches Talent Persönlichkeiten zu schaffen, auch wenn sie nicht menschlich sind oder in ihrer Unmenschlichtkeit uns manchmal eben doch sehr ähnlich sind. Als die Wissenschaftler jedoch herausfinden, dass die wahre ausserirdische Rasse des Planeten ein Virus ist, der in die biologische Entwicklung jeder Spezies dort eingreift, steht die Menschheit wieder vor der Entscheidung, ob es Recht ist zu töten, um sich selbst zu retten.
Nachdem ich in den letzten Jahren eine Menge neuen Lesestoff hatte und viele Bücher gelesen habe, von denen ich bestimmt schon einige wieder vergessen habe, ist mir auch jetzt noch die Geschichte und vor allem die komplexen Charaktere present. Ich erinnere mich an die Trauer und den Hass, die Angst und die Verzweiflung und die Liebe. Das schaffen nicht viele Autoren, dass sich die Geschichte eingräbt ins Hirn und man sich wie ein Teil von der Gemeinschaft fühlt. Auch Jahre später noch vermisse ich Ender und seine neue Familie.
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Xenozid - O.S.Card Xenocide (1991)
deutscher Titel: Xenozid
Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach, 1992
ISBN 3-404-24153-3
Nachdem der letzte Band der Ender-Reihe mit einem schwelendem Konflikt endet, konnte ich es nicht erwarten dieses Buch zu lesen. Eine Zerstörungsflotte ist auf dem Weg zu Ender, der Lusitania-Kolonie und den Schweinchen. Es gibt nur eine Person, die einen weiteren Xenizid abwenden kann, doch dieses, den Menschen noch unbekanntes Wesen, ist so mächtig, dass die Menschen in ihr eine noch größere Bedrohung sehen würden. Zu Recht hat Ender Angst um seine Freundin. Es ist wieder ein Buch über Menschlichkeit, Würde und Manipulation. Zu welchen Schlechtigkeiten die Menschen im Namen von Schutz, Religion und Macht fähig sind und wahre Menschlichkeit nicht in einem Körper wie unserem stecken muss. Es ist eine weite Reise in die asiatische Tradition einer fernen Kolonie. Der künstlichen Intelligenz von Enders Freundin wird ein hochbegabtes Mädchen entgegen gesetzt und wie immer entsteht unter Cards grandiosen Worten ein intensives Bild einer vielschichtigen Persönlichkeit. Es gibt kein gut und böse, kein schwarz/weiß, selten sind Graustufen so farbenprächtig.
Nur schwer kann ich mich von Ender trennen, denn dies sollte das Ende der Triologie sein und auf eine Weise ist es das auch, obwohl noch viel ungeklärt und die Flotte noch immer unterwegs ist. Doch so ist es bei uns Menschen, es gibt immer andere Dinge zu finden, neue Probleme zu lösen.
Ich rate dringend, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, denn nur so kann man die Entwicklung der Hauptfiguren verstehen.
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Enders Kinder - O.S.Card Children of the Mind (1996)
deutscher Titel: Enders Kinder
Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach, 1998
ISBN 3-404-24240-8
6 Jahre später. Sechs! und ich hatte nicht damit gerechnet, doch es hat sich wirklich gelohnt. Diesmal tritt Ender ein wenig zurück und gibt den Personen in der Geschichte einen Raum, die er seine Kinder nennt. Sie sollen nun die Vernichtung des Planeten entgültig verhindern, . Diesmal greift Card in die Vollen seiner Fantasy, er verbindet Technoligie mit Mystik und Telepathie. Was bei anderen Autoren leicht überladen und unglaubwürdig wirken kann, ist bei Card einfach nur ein atemloser Rausch durch eine Welt voller Spannung, Gefühlen und Zwischenmenschlichen. Es fällt mir schwer den Inhalt auch nur anzureißen, da es zu komplex ist und ich womöglich von Hölzchen zu Stöckchen komme. Card arbeitet an verschiedenen „Fronten“ und man kann nicht glauben, dass das alles irgendwie zueinander passt. Doch Card macht es möglich. Da das Buch besonders von den Dialogen lebt, kann die Fähigkeit Cards der Charakterdarstellung diesmal besonders glänzen. Für den Einen oder Anderne mag es etwas zu technisch oder philosophisch sein, aber ich war begeistert von den intelligenten Gesprächen und hätte mich am liebsten eingemischt.
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Doch Orson Scott Card war damit noch nicht fertig. Viele seiner Leser haben sich gefragt, was aus den liebgewordenen Figuren des ersten Romans geworden war. Ich war begeistert als ich die Schatten-Reihe fand, die auch im Ender-Universum spielt und einige lose Enden verknüpft, welche die Geschichten der Ender Reihe zurück gelassen hatten. Da ich englische Titel meist im Original lese, war es für mich nicht schlimm, dass dafür noch keine Übersetzungen gab.
An dieser Stelle mein beliebter Aufruf zum englisch lesen. Es ist leichter als gedacht und mit dem richtigen „Stoff“ macht es sogar Spaß. Wenn ich es kann, könnt ihr es auch. Im übrigen waren es die Ender Bücher, die mich dazu gebracht haben. Ich hatte „Das große Spiel“ und „Sprecher für die Toten“ so oft gelesen, dass ich trotz meiner wirklich miesen Englisch-Kenntnisse nur wenig Schwierigkeiten beim übersetzen hatte. Schließlich kannte ich die Bücher ja auswenig.

Die Shadow-Serie (parallel zur Ender-Serie)

Enders Schatten - O.S.Card Ender’s Shadow (1999)
deutscher Titel: Enders Schatten
Festa, Leipzig, 2004
ISBN 3-86552-005-7
Nachdem Buch „Das große Spiel“ fragte ich mich, was wohl aus den Kindern geworden war, die Ender begleitet haben. Besonders Bean war mir ans Herz gewachsen. In diesem Buch erzählt Card, wer Bean ist. Woher er kommt und was auf der Kampfschule passiert, aus der Sicht dieses unglaublichen Kindes.
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Shadow of the Hegemon - O.S.Card Shadow of the Hegemon (2001)
In Fortsetzung der „Enders Schatten“ Geschichte, wird hier nun erzählt, was auf der Erde mit Bean und den anderen passiert, während der Frieden zusammenbricht und Ender unterwegs in die neuen Kolonien ist. Wir sehen den Schrecken von Enders Alpräume, seinen Bruder Peter, aus einem anderen Licht, als die Welt einen Führer braucht.
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Shadow Puppets - O.S.Card Shadow Puppets (2002)
Ich gebe zu, dass dies hier das schwächste der Bücher aus der Ender-Sage ist und es fällt mir nicht so leicht mich genau an den Inhalt zu erinnern. Leider fehlt diesem Buch die Subtilität mit der Card in den Anfängen die menschlichen Konflikte beschrieben hat. Er transportiert in diesem Buch höhere Ideale, die auch nicht immer meiner Meinung entsprechen.
Was aber nicht heißt, dass es schlecht ist.
Die Story ist rasant und spannend geschrieben, wenn ihr auch die Brillianz fehlt. In der Reihe der Geschichte ein fehlendes Glied. Es macht immernoch Spaß es zu lesen.
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Shadow of the Giant - O.S.Card Shadow of the Giant (2005)
Und wieder kommen wir zurück zu Bean, neben Ender der sympatischste Charakater des Ender-Universums. Während die Welt wieder im Chaos versinkt, weil die Nationen unter der Herrschaft ihrer Helden sich zerreissen, angesichts eines fehlenden gemeinsamen Feindes. Es sind die Kinder, die einst zusammen gekämpft haben, die sich jetzt gegenüber stehen, alle der Meinung es richtig zu machen. Ein wenig klingt es nach den Vorgängern der Schattenreihe, Politik und Macht als Triebfieder der menschlichen Ambitionen. Doch da ist eben Bean. Er ist auf der Suche nach seinen Wurzel und findet sie. Doch selbst das kann ihm nun nicht mehr helfen.
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Zusätzlich zu diesen Büchern gibt es noch einige Kurzgeschichten, die im Ender-Universum spielen. Näheres dazu und zu Orson Scott Card findet ihr hier in dem Wikipedia Artikel zum Autoren, der mir auch bei der Zusammenstellung der Bücher geholfen hat.

Ich bin wirklich begeistert von dieser Reihe. Ich denke, das merkt man mir an. Deshalb würde es mich freuen, wenn ihr den Büchern eine Chance geben würdet. Niemand kann besser in die Abgründe der Menschen blicken und sie dann mit so kunstfertigen Worten an den Leser weitergeben, wie Orson Scott Card.

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3 Responses to “Mein Lieblings… – Scifi-Universum”

  1. Thomas Says:

    Obwohl ich lange Jahre SF-Literatur regelrecht gefressen habe, hörte ich bisher noch nie etwas von Orson Scott Card.
    Das hat sich nun geändert – herzlichen Dank für die ausführliche Aufklärung. Den Herren werde ich mir mal auf die Liste setzen …


  2. Du könntest mich tatsächlich zu SciFi verführen. Also aufhören! SOFORT!!!

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