Die Freiheit oder Verantwortung der eigenen Meinung

15. Aug 2010

Mir geht gerade etwas durch den Kopf. Ich frage mich, ob eine Meinung durch eine bewusste Wortwahl eingeschränkt wird. Immer wieder fällt mir auf, dass polemische Argumentationen oft durch die Freiheit der eigenen Meinung entschuldigt wird.
Ist eine Meinung weniger wahrhaftig, wenn sie vorher durch einen minimalen Höflichkeitsfilter läuft und ich mich an die grundlegensten sozialen Kommunikionsregeln halte? Macht Respekt anderen gegenüber meine Meinung weniger wirksam?

Ich kann jemanden für einen Arsch halten, aber muss ich ihm das ins Gesicht sagen. Ich finde, wenn ich ihm erklären, dass mir bestimmte Denkweisen oder Verhaltensweisen nicht gefallen, ist es viel hilfreicher. Wenn ich es ihm denn überhaupt unter die Nase reiben muss. Arschlöchern geh ich normalerweise einfach aus dem Weg.

Doch das bringt mich zu etwas anderem. Natürlich bietet ein Blog sich gerade an, mit seinen Leser bestimmte Themen zu erörtern. Aber macht es für euch einen Unterschied, ob eine Meinung öffentlich, sei es in einem Blog oder im Fernsehen, oder persönlich mit Freunden ausgetauscht wird?
Ich sag einer guten Freundin schon mal, dass ein Buch grottig ist und in die Tonne gehört, würde das aber nie so in einer Rezension schreiben.
Was mich aber nicht von 1Stern oder 2 Stern – Rezensionen abhält. Sind die deshalb nicht ehrlich oder gar inkonsequent?

Wir als Lesende legen doch bei den Büchern, die wir lesen, auch wert auf die Wortwahl, den Wortklang und interpretieren die Wirkung. Warum muss dann unsere eigene Wortwahl weniger Qualität ausweisen?

Nun kann man sagen, dass sich ja niemand beschwert oder nur wenige und man kann sich ja nicht jede Kritik zu Herzen nehmen, man kanns nunmal nicht jedem recht machen. Das Fehlen von negatiger Kritik funktioniert aber nicht wie bei einem Vogel, dem man ein dunkles Tuch über den Käfig gezogen hat. Du siehst mich nicht, also bin ich nicht da. Nur weil sich kaum jemand zu Wort melden, der sich tatsächlich auf den Schlips getreten fühlt, heißt das ja nicht, dass es niemanden gibt.

Aber muss man Stimmen, die sich nicht zu Wort melden, denn dann überhaupt ernst nehmen? Wieviel Rücksicht muss man nehmen?
und um auf meine Eingangsfragen zurück zu kommen.

Ist eine Meinung weniger wahrhaftig, wenn sie vorher durch einen minimalen Höflichkeitsfilter läuft und ich mich an die grundlegensten sozialen Kommunikionsregeln halte? Macht Respekt anderen gegenüber meine Meinung weniger wirksam?

Mich würde interessieren, wie ihr das seht.

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10 Responses to “Die Freiheit oder Verantwortung der eigenen Meinung”

  1. Annegret Says:

    Meiner Meinung nach ist es immer angebracht, Höflichkeit zu wahren, ob nun die Person vor Dir steht, Du mit ihr telefonierst oder ob Du Dich online äußerst. Nur weil Du die Person, die Dich im Internet liest, vielleicht nicht bekannt ist, bleibe ich immer höflich. Man kann auch höflich angreifen, kritisieren, man muß nicht „die Sau rauslassen“. Wenn die andere Person meint, unhöflich sein zu müssen, dann ist es ihr Ding, ihre Art, nicht die meine. Heutzutage verkäuft sich der größte Mist, aber bei mir findet er keinen Abnehmer.

    Annegret

  2. karfie Says:

    Willst du die Welt heilen?
    Ich hab schon lange aufgegeben das zu erreichen. Ich finde ganz und gar nicht das man nur, weil man es vorher abmindert, jemanden verletzen kann.
    So ungefair… „He, das mein ich jetzt nicht so. Aber du bist voll sch****“
    Oder: „Fühlt euch jetzt nicht angesprochen, aber ihr geht mir alle tierisch auf den Keks“

    Entweder ich meine es so wie ich es sage, oder ich lasse es. Was hat es sonst für einen Sinn?
    Wenn du jetzt aber speziell auf das Internet ansprichst, das ist um einiges schwieriger.

    1. Weil wir die Mimik und Gestik des Gegenüber nicht sehen.
    2. Weil er sich verstecken kann
    Das geht einfach ncit bei diskussionen
    3. Mischen sich wahrscheinlich noch 5 andere Meinungen ein…

    • Stephie Says:

      Du sollst ja auch weiterhin sagen, was du wirklich meinst und es nicht zwingend abmildern.

      Gemeint ist wohl eher, dass man dabei aber eine höfliche Ausdrucksweise benutzt. Das man also nicht sagt „Ich finde deine Rezension sch***“ oder ähnliches, sondern eben „sie gefällt mir überhaupt nicht“ und dann auch Gründe dafür nennt. Alles andere wirkt eher wie eine Beleidigung, als eine ernstgemeinte Kritik und konstruktiv ist das ganze erst recht nicht.

  3. Ada Mitsou Says:

    Hallo 🙂

    Also bei mir ist es eher andersherum: Je platter und niveauloser mich jemand anfährt, desto weniger kann ich denjenigen ernst nehmen und desto weniger bringen mich dessen Aussagen zum Nachdenken.
    Um dein Beispiel zu nehmen: Wenn mir nun jemand ins Gesicht brüllt, ich sein ein Arsch und überhaupt strunzdumm, dann denk ich mir: Aha, wenn du meinst und hake das Ganze unter Verbalentgleisung ab.

    Wenn nun aber jemand zu mir kommt und sagt, dass er mein Verhalten nicht gut findet aus den und den Gründen und ihm das deswegen gewaltig gegen den Strich geht, dann habe ich eine Diskussionsgrundlage und frage mich auch, ob da was dran ist. Wenn in meinen Augen nichts dran ist oder etwas missverstanden wurde, dann sage ich das dem anderen. In dem Fall begegnen wir uns respektvoll auf gleicher Augenhöhe.
    Höflichkeit und Respekt sind für mich neben der Argumentation also die Grundlage für eine gute Diskussion.
    Gegenseitiges Anbrüllen oder mit Ausdrücken um sich werfen, berührt mich nicht, weil einfach nichts dahinter steckt außer ein emotionaler unüberlegter Ausbruch.

    Ein wenig anders vehält es sich mit Texten, in denen bewusst übertrieben wird, um eine Diskussion zu entfachen. Da dient die Polemik in meinen Augen nur als Aufhänger, was man dann aber auch erkennen kann.
    Durch solche Texte fühle ich mich nicht persönlich angegriffen, allerdings schon in gewissem Sinne provoziert, meine Meinung dazu zu sagen.

    Grundsätzlich gilt für mich: Sage, wenn es drauf ankommt, deine Meinung und steh dazu, aber unterstütze sie in einer Diskussion mit guten Argumenten und einem angemessenen Tonfall, damit andere dich überhaupt ernstnehmen können.

    Lg, Ada

    • wortsplitter Says:

      danke für deine Meinung 🙂 das mit dem Tonfall ist online gar nicht so einfach. Ist dir das selbst schonmal aufgefallen, dass du online eher dazu neigst etwas falsch zu verstehen?

      • Ada Mitsou Says:

        Als das Internet für mich noch relativ neu war, fiel es mir hin und wieder recht schwer, den richtigen Ton rauszulesen. Und auch heute kann ich z.B. Ironie nicht immer erkennen. Mit den Smileys ist das jedoch einfacher geworden.

        In Diskussionen habe ich mir angewöhnt, scheinbare Angriffe gar nicht mehr direkt als solche zu werten, sondern lieber noch mal nachzuhaken, wie das denn nun gemeint war, wenn ich mir unsicher bin.

        Wie nennt man den Tonfall bei geschriebenen Texten? Ausdrucksweise?
        Ja, ich denke oben in meinem Beitrag müsste es heißen „mit einer angemessenen Ausdrucksweise“.

  4. Stephie Says:

    Für mich ist eine Meinung nicht weniger wahr, nur weil ich mich höflich ausdrücke. Ich lege auch immer viel Wert auf Höflichkeit und kann dir nur zustimmen (ich denke ich weiß auch, auf welchen Beitrag du dich beziehst).

    Meistens ist eine negative Meinung doch noch viel wirksamer, wenn sie höflich ausgedrückt wird, weil man sie dann eher noch ernster nehmen kann. Man weiß dann, dass derjenige sich Gedanken gemacht hat und nicht einfach darauf los redet.

    Auch bei negativen Rezensionen lege ich viel Wert auf meinen Ausdruck und bin bei fremden Rezenionen teilweise wirklich überrascht, was dort für Ausdrücke verwendet werden. Man muss ja ein Buch nicht besser darstellen als es ist, aber man kann sich doch gewählt ausdrücken. Dann liest sich das ganze gleich viel besser und man wird nicht vom Ausdruck abgeschreckt.

    Ich kann dir also nur zustimmen, dass eine höfliche Ausdrucksweise nie verkehrt ist und eine Meinung auch nicht weniger wahr macht.

    • wortsplitter Says:

      ich gerade bei dir hatte ich mir auf eine ordentlich diskussion gefreut *fiesgrins* ihr dürft mir doch nicht alle recht geben, sonst wird das nichts mit heiß diskutiert. Es ist mit nicht nur bei dem Beitrag aufgefallen, an den du vielleicht denkst. Sonst hätte ich das hier nicht zum Anlass genommen. Es ist in letzter Zeit einfach vermehrt aufgefallen in verschiedenen Bereichen, zB bei Facebook, oder auch Twitter. Sicher muss man nicht ständig anderen Honig um den Bart streichen und ich verstehe, wenn man sich mal luft machen will, aber bevor ich anderen unbedacht auf die Füße trete, würd ich mir wünschen, dass einige hin und wieder vergessen, dass sie eben nicht nur mit dem Bildschirm reden, sonders das hinter der anonymen Masse ein Mensch steckt. Aber Polemik, Sensationsgetue scheint sich doch gut verkaufen. Nicht umsonst hat Denis Scheck solche Einschaltquoten.


  5. […] This post was mentioned on Twitter by Karin Fiedler, Simone Wilhelmy. Simone Wilhelmy said: Die Freiheit oder Verantwortung der eigenen Meinung: http://wp.me/pN7E1-9S […]

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