Bernhard Aichner – Für immer tot ** (2/5)

16. Sep 2011

“Für immer tot” ist der 2. Teil der Krimireihe um den Totengräber Max Broll und es ist emotional aufreibend.

Bernhard Aichner - Für immer tot

Bernhard Aichner - Für immer tot

Jemand platziert in der Wohnung vom Max ein merkwürdiges Handy. Nur 6 Tasten, kein Display. Hinter einer der Tasten hört Max die Stimme seiner Stiefmutter Tilda, die ihm Furchtbares erzählt.
Lebendig begraben.
Sie wurde niedergeschlagen, verschleppt und lebendig begraben.
Aber sie hat ihren Entführer erkannt. Es ist Wagner der “Kindermacher”, den sie wegen Mordes an seine Frau vor Jahren ins Gefängnis gebracht hatte.
Dort ist er noch immer, verschlossen hinter Gitterstäben und von hohen Mauern umgeben, ohne Ausgang. Es ist unmöglich, dass er es gewesen ist.
Die Polizei kann oder will in einer solch fragwürdigen Spur nicht ermitteln. Viel wichtiger ist es Tilda zu retten, denn es bleibt nicht viel Zeit sie zu finden. Durch das Handy lässt sich Tildas Versteck nur grob eingrenzen. Jeden Tag, der vergeht, verlieren die Sucher mehr Hoffnung, die beliebte Polizistin aufzuspüren.
Nur Max glaubt ihr und hat ihr versprochen, der Sache nachzugehen.
Zusammen mit Baroni, ein Freund, der schon im ersten Teil an seiner Seite war, beginnen sie Wagner zu suchen. Und dabei überschreitet er Grenzen, denn er muss Tilda retten. Er muss, denn wenn sie stirbt, könnte er das nicht ertragen. Max kann keinen weiteren Verlust mehr verkraften.

Wie nahe Max an einem geistigen und emotionalen Zusammenbruch ist, spiegelt sich eindrucksvoll in der Sprache des Buches wieder.
Wenn er durch seine Sorge um Tilda zu immer drastischeren und zerstörerischen Handlungen getrieben wird, lassen mich die minimalistischen Sätze kaum zu Atem kommen. Es ist keine Zeit für Schnörkel, für erklärende Adjektive oder gar ganzen Nebensätzen. Der Text von Bernhard Aichner ist viel zu rastlos für melodischen Satzbau. Die Zeit drängt, das ist von Anfang an deutlich spürbar, denn irgendwo da draußen sitzt Tilda in einer dunklen Kiste vergraben und wartet auf Max, oder, wenn die Hoffnung schwindet, auf den Tod.
Auch Max verliert immer wieder die Hoffnung und dann verfängt er sich in seiner Angst. Seine Gedanken drehen sich im Kreis, verlieren sich in Vorwürfen, Hoffnungslosigkeit und Erinnerungen. Dann reihen sich die Nebensätze aneinander, wie Perlen eines Rosenkranzes, den Max in kaum erträglichen Wiederholungen herunter betet.
Und hier wurde das Lesen für mich anstrengend.
Dieser Trostlosigkeit und Eintönigkeit, hervorgerufen durch Erinnerungsfetzen, Satzfetzen, die Absätze lang mit dem Wort „wie“ beginnen, kann ich nicht entgehen.

Doch gerade der ungewöhnliche Sprachgebrauch macht dieses Buch zu etwas Besonderem. Der Autor spielt mit den Worten. Er erschafft keine Bilder, sondern greift direkt in meine Gefühlswelt ein. Das ist nicht angenehm. Soll es aber auch nicht.
Obwohl ich bewundere, wie er es schafft, mich zu manipulieren, ist es irgendwann zu viel. Die Sätze wirken nach gut 100 Seiten wie künstliche Konstrukte, übermotiviert, anstrengend.
Dies wird auch durch die Dialoge verstärkt. Über Seiten reihen sich die wortarmen Gespräche ohne Personenzuweisungen und Handlungssätzen untereinander. Anfangs noch mit amüsantem Zynismus gewürzt, verliert sich dieser zusammen mit dem Lesevergnügen am Ende des Buches in der Verzweiflung von Max und einer gewissen Unübersichtlichkeit.

Ich bin sicher, dass dieses Buch seine Liebhaber finden wird. Und es hat sie verdient, denn der Autor geht einen verblüffenden, neuen Weg. Dies ist kein Psychothriller, sondern ein Emotionen-Thriller.

Homepage Bernhard Aichner

copyright by fotowerk aichner

»…der Autor versteht es wie kein anderer, den Spieß ohne Vorwarnung plötzlich umzudrehen … und nunmehr kann man gar nicht so schnell rennen, wie einem das Lachen im Halse steckenbleibt!
…«

 Thomas Lawall

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2 Responses to “Bernhard Aichner – Für immer tot ** (2/5)”

  1. Thomas Says:

    Trotz magerer Bewertung eine tolle Rezi. Ebenso unterhaltsam wie differenziert. So soll es sein!

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