Der Weltenbaum XII – die grüne Weltenblüte

13. Jan 2011

Teil 11
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Teil 13

Erschöpft lehnt Frek an den steilen Wänden des Passes. Fabales hatte ihnen kaum Pausen gegönnt. Seit Tagen irren sie in den Schluchten des Gebirges herum. 

Der Weltenbaum existiert. Verbissen beharrt Fabales darauf, dass sein Traum der Beweis dafür ist, dass Shania nicht tot ist. Sicher gehörte der dunkle Magier zu denen, die Vallaria erschaffen und versklavt hatten. Bei dem Gedanken an Vallarias unsicheren Schicksal verspürt er einen Stich. Doch er muss sich jetzt erst um Shania kümmern.

Frek?” der Elf sieht fragend zu seinem Freund.

Schon seit einer Weile versucht dieser die magischen Strukturen eines Portales zu finden. Die Energie, die nötig ist zwischen den Welten einen Durchgang zu öffnen, ist schließlich immens. Mit Hilfe eines Zaubers müsste er diese wie hell ein Leuchtfeuer sehen.

 Frek schüttelt den Kopf, auch Fabales kann nichts erspüren.

Wartet mal …” Andesit betrachtet die Oberfläche der Steinwände. Aus den Ablagerungen konnte er lesen, wie Frek aus einem Buch. Eine Weile studiert der Zwerg schweigend die Maserung der Felsenwände und stellt damit die Geduld seiner Begleiter hart auf die Probe. Gereizt und gleichzeitig erwartungsvoll starrt auch der Elf auf die Wände. Doch er kann nichts erkennen. Sie sehen genau so aus, wie gestern und vorgestern.
Der schweigsame Zwerg nickt. Magische Erschütterungen, wie das Öffnen von Pforten, brechen die feinen Linien der Sedimente. Die Unterschiede sind so fein, wie die immer dünner werdene Haare von Frek und es benötigt das richtige Gespür, um diese Irritationen von denen eines Erdrutsches, Erdbeben oder einfach der Erosion durch Zeit, zu unterscheiden.
Als sie diesen Spuren zu ihrem Mittelpunkt folgen, liegt plötzlich Coperto vor ihnen.

Der versteckte Ort liegt wie ein schlafenes Raubtier am Fuße einer Felswand, die bis den Himmel ragt und einen düsteren Schatten über die Ebene wirft. Nur die unvollständigen Mauern der Halle des Wissens stehen noch. Einzelne Säulen zeigen, dass hier früher ein prachtvolles Anwesen gewesen sein muss. Dichte Büsche versperren den Eingang zur Halle und verbergen den inneren Hof vor den Blicken der Gefährten. Alles ist grün überwuchert und still. Doch Coperto schläft nicht, es lauert.

Wie die Schatten unruhiger Wolken flitzen dunkle Flecke über die grünen Wiesen, welche die Ruine umgeben. Frek betrachtet die Schatten mit Hilfe der Magie genauer und runzelt verunsichert die Stirn.
Merkwürdig, ich kann keine Quelle finden. Irgendetwas muss diese Schatten doch verursachen.

Ich fürchte mich nicht vor Schatten.”, murmelt der Zwerg und will näher heran gehen.

Warte noch einen Moment!” Fabales hält seinen Freund an der Schulter. 

Es scheint … , “
Der Magier versucht noch immer genauere Infomationen zu erhalten.  “… sie wurden den Lebenden entrissen und magisch mit einer Art eigenständige Präsenz versehen. Leben in weiteren Sinne, da ihre Existenz nun weit über den rein physikalischen Effekt eines Schattens hinaus geht. Dies bedeutet jedoch, dass sie den Verbrauch der energetischen Magie wieder ausgleichen müssen und auf der Suche nach passenden Quellen sind.”

Warum sagt er nicht einfach, dass sie hungrig sind?“, mault der Zwerg leise Fabales zu, der nur mit den Schultern zuckt.
Und wie kämpft man gegen Schatten?” Andesit verschränkt missmutig die Arme. “Mit einer Kerze vielleicht?

“Ja!”
Überrascht dreht sich Frek zu ihm um, “Licht, Andesit, du bist brillant. Hast du diese Aurora Rune noch? Zusammen mit Fabales Leuchtzauber und meinem Lumes Illuminiae schaffen wir es an den Schatten vorbei.

Der Elf sieht skeptisch zum Zwerg hinüber. Hoffentlich wusste Frek wovon er da sprach.
Es ist gar nicht so einfach die verschiedenen Arten der Magie miteinander zu verbinden, doch nachdem sie alle drei Lichtzauber vereint sind, umgibt die Gefährten eine blendende Kugel, vor der die Schatten tatsächlich schreiend zurückweichen.

Der Eingang der Ruine ist mit Dornenranken versperrt. Sie sind so dicht, dass kein Durchkommen möglich ist. Andesit versucht mit kräftigen Hieben eine Breche zu schlagen, doch überall, wo sein Schwert die Dornen zerteilt, wachsen sie um so kräftiger wieder nach.

Die Dornen verweigern den Eintritt.” zitiert Frek aus der Legende. “Das muss die Prüfung sein.”

Hinter den Ranken verborgen, entdeckt Fabeles, der ein paar Schritte zur Seite gemacht hatte, ein Schild. Vorsichtig legt er es frei und liest: “Nenne uns den Namen des Weltenbaums.”

Während Frek ganz aufgeregt verschiedene Theorien zum Namen äußert, beobachtet Andesit die Schatten. Einer musste diese unheimlichen Dinger im Augen behalten und seine Freunde konnte sowieso viel besser mit Natur umgehen
In keinem der Pergamente wurde jemals ein Name erwähnt.” schimpft der Magier.

Doch auch Fabales scheint ihm nicht zuzuhören, sacht streicht er über die Dornen.
Vallaria …”

Der geflüsterte Name zeigt sofort Wirkung. Wie Schlangen ziehen sich die Ranken zurück und geben den Eingang frei. Ohne auf die erstaunten Ausrufe seiner Freunde zu hören, geht der Elf in die Halle des Wissens. Überhaupt scheint er sich kaum noch iher Anwesenheit bewusst zu sein.

In der Mitte des weiten Hofes steht die Rose.
Zwei ineinander verschlungene Rosenstöcke formen ein Tor, wie eine Spindel, auf der oberen Spitze thront die Blüte. Es ist wunderschön.

Frek hat den Elfen eingeholt.
Das Mädchen aus deinen Träumen? Wie? Was hat sie … “
Ohne den Blick von der Rose zu wenden, erwidert Fabales: “Ich hätte auch Maiglöckchen sagen können.”
Endlich dreht er lächelnd zu dem Magier um, ” …oder Rose. Jedes Tor ist Teil des Baumes und es ist immer eine Pflanze.”

Die dunkle Samtblüte verströmt einen schweren muffigen Geruch. Um so lnager man sich in ihrer Nähe aufhält, um sie schwerer fällt das Atmen. Besorgt betrachtet Fabales nun die schwarzen Flecken auf der Blüte.
Sie ist krank.”

Auch Andesit ist näher gekommen. “Gehen wir?” Er hält seine Hand durch den gespaltenen Rosenstock, die darin verschwindet. “Es ist offen.” Für den Zwerg gibt es keinen Grund noch weiter das Unvermeidliche aufzuschieben. Entschlossen drängt er sich durch die Öffnung.
Auch für Fabales gibt es kein Zögern. Er geht direkt hinter dem Zwerg durch das Tor.

Während Frek sich noch einmal zum Eingang umdreht, denkt er drüber nach, dass dies die letzte Möglichkeit der Umkehr ist. Für ihn ist es sicher, dass sie nie wieder zurück in ihre eigene Welt können, das wusste er einfach. Für einen Moment gibt er dem Gedanken nach und versucht heraus zu finden, warum er sich so sicher sicher. Es gibt kein Grund. Vielleicht ist es einfach nur Angst, vor dem Unbekannten, vor einem Kampf der vielleicht seine Kräfte übersteigt.

Langsam geht er zum Tor. Davon abgesehen, dass er allein niemals an den Schatten vorbei käme, war unvorstellbar für ihn seine Freunde so im Stich zu lassen, egal wie gern er jetzt in der Sicherheit der Akademie war.

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