Der Weltenbaum II – die grüne Weltenblüte

14. Okt 2010

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Teil 3

Fabales spannt seinen Bogen. Diesen Magier kann er nicht durch einen einfachen Pfeil töten, egal wie zielsicher er trifft. Aber vielleicht lenkt ihn ein Pfeilhagel genug ab, dass Andesit es zu ihm schafft. Der Zwerg ist der Erdmagie einfach mehr verbunden als er. Mit lebendigen Pflanzen und Tieren können seine Sinne eine Verbindung eingehen, aber Steine und Felsen…
Fabales versteht nicht, wie man Magie erschaffen kann, ohne den Austausch von Empfindungen.

Fabalas schießtMit einem Keuchen rammt Andesit sein Schwert in den Boden.

Gut dich zu sehen, Freund.“ begrüßt der Elf den Zwerg.

Bis sie einander vertrauten, waren Jahre vergangen, doch nun verband die beiden unterschiedlichen Wesen eine tiefe Freundschaft. Er nimmt es dem Zwerg nicht krumm, dass dieser nicht antwortet. Fabales weiß, dass sein Freund schon dabei ist, den Erdbebenzauber des Magiers zu stören oder ihn so weit zu schwächen, dass die anderen beiden den Fluch brechen können.

Auf einer aufgeworfenen Erdscholle steht er, von einer dunkelgrünen Kutte fast vollständig verhüllt. Aus dem Schatten der Kapuze blicken fiebrige Augen hinunter zu Fabales und Andesit, als wären sie lästige Insekten, die es zu zerquetschen gilt.

Der Zwerg steht unbeweglich, wie erstarrt, den Blick fest auf den Magier gerichtet, die Hände am Schwert. Nur die Schweißtropfen auf seiner Stirn beweisen, wie viel Kraft ihm abverlangt wird. Aber unmerklich werden die Erdbeben weniger.
Der Magier richtet den Blick auf den Zwerg. Langsam hebt er die Hände. Fabales ist sich sicher, dass sie hier keinen Gildenmagier vor sich haben. Der Blick… etwas Fauliges, Unnatürliches geht von dem Magier aus, doch es fällt dem Elfen schwer es zu benennen. Er kann den Ekel nicht überwinden, um seine Sinne völlig auf den Gegner ausrichten.

Die Beben werden nun wieder stärker. Auch wenn man dem Magier ansieht, dass es ihn viel Kraft kostet die Hände zu heben, als würde er gegen ein starkes Gewicht drücken, schafft er es den Boden weiter aufzubrechen, ja förmlich Wellen in ihn zu schlagen.

Bitte …“ flüstert Fabales. „Shania, beeil dich.“
Die Übelkeit, die Shania verspürt, als sie in den Brunnen steigt, ist so stark, dass es auch ihm die Kehle zu schnürt und ein Schauer über seinen Rücken läuft.

Auf einmal stöhnt Andesit auf und er schwankt.
Fabales weiß, alles ist verloren, wenn der Zwerg fällt. Wenn es nötig wird, kann er seinen Freund mit  Hilfe der Elfenmagie unterstützen, doch dieser hasst diese lebendige Art von Magie, da sie tagelanges Unwohlsein bei ihm verursacht und, wie er es nennt, Hummeln im Hintern. Andesit verweigert jegliche Heilmagie von seinen Freunden. Er muss schon bewusstlos sein, sonst würde er sich  mit Händen und Füßen dagegen wehren. 

Fabales kennt Andesits Einstellung zu seiner Magie gut, dennoch bleibt ihm nun keine Wahl. Er legt beide Hände auf die Schultern seines Freundes und stärkt ihn mit allen Kräften, die ihm noch zur Verfügung stehen.

Schlagartig fühlt sich Fabales krank. Etwas stachlig Schmerzvolles lässt seinen Hals wie Feuer brennen und einen Moment später bricht er in Panik aus. Shania, er kann sie nicht mehr fühlen.

Dann scheint die Natur um ihn herum zu explodiert, als hätten die Bäume und Sträucher befreit ausgeatmet, nachdem sie für lange Zeit den Atem anhalten mussten und der Gestank des Fluches wird vom Wind davon getrieben. Die Erleichterung der Natur ist so stark, dass selbst Andesit es spüren kann.

Gedankenverloren betrachtet Fabales die Umgebung, noch immer kann er seine Gefährtin nicht hören. Abgelenkt von seiner Sorge, bemerkt er den Feuerball nicht, der auf ihn und seinen Freund zu rast. Andesit schafft es gerade noch ihn zu Boden zu reißen.

Was ist mit dir los?“

Wie ein Stein klammert sich die Angst um das Herz des Elfen. Eine winzige Erschütterung würde es in winzige Splitter zerspringen lassen. Das kann, das darf nicht wahr sein. Fabales schüttelt den Kopf, als verhindert das Verneinen, dass es wahr wird, dass seine Gefährtin, seine Geliebte, dass sie…

Dann endlich… endlich kann er ihren Herzschlag hören, der im Gleichklang mit seinem schlägt.

FABALES, du verharzter Kalkschädel, komm zu dir.“

Andesit ist kurz davor dem geistesabwesenden Elfen ins Gesicht zu schlagen. Nachdem ihm wegen der Elfenmagie ganz hummelig ist, scheint das eine sehr gute Idee, doch der Elf hebt abwehrend die Hände und sieht sich dann suchend nach dem Magier um. „Wo ist er hin?“

Verschwunden, wollte ihm nach, als du… beschlossen hast, dich grillen zu lassen.“ knurrt der Zwerg als Antwort, zieht sein Schwert aus dem Boden und wendet sich wieder dem Elfen zu, schon viel versöhnlicher.
Schon gut, alter Freund.“ Er klopft dem Großen auf den Arm, Verständnis in den Augen, als dieser sich bedanken will. 
Shania?“
Nach all den Jahren weiß er um enge Verbindung der beiden Elfen und bewundert sie.

Es geht ihr gut.“ antwortet Fabales froh und sieht auch in den Augen seinen Freundes die Erleichterung. „Überzeug dich selbst.“

Lächelnd dreht er sich um und öffnet seine Arme, um Shania darin aufzufangen, die sich ihm entgegen wirft. Verwundert stellt er fest, dass ihr Herzschlag flattert. Wahrscheinlich eine Nachwirkung des Fluches, versucht er sich zu beruhigen.

Der Magier?“ stört Frek ihn in seinen Gedanken.

Sein Freund hat Recht. Es war noch keine Zeit seine Wunden zu lecken.

Sie stehen auf dem Erdhügel,dort wo vorher noch der Magier gestanden hatte. Die Auswirkungen der Erdbeben erschweren ihm die Flucht. Überall sind tiefe Risse im Erdboden. Umgestürzte Bäume behindern ihn zusätzlich.

Er kommt nicht weit.“ brummt Andesit.

Das braucht er auch nicht. Seht ihr, dort hinten?“ Frek zeigt auf etwas.

Am Waldrand, am Ende des Tals, können sie eine eigenwillige Behausung erkennen. Die Wurzeln eines Baumes haben unter dem Zwang von Magie eine Höhlung geschaffen, gerade groß genug, um als Hütte durchzugehen.

Dort hat er bestimmt seine Notizen über den Fluch und einen Transportzauber.

Angewidert starrt Fabales zur Hütte. In seinen Augen funkelt es wild auf. Überrascht sieht Shania zu ihm hinüber und beobachtet besorgt, wie ihr Geliebter zu seinem Bogen greift. Es ist ein unmöglicher Schuss, selbst für einen meisterhaften Bogenschützen. Fabales spannt den Bogen, sein Atem geht mit der Sehne, konzentriert folgt er mit der Pfeilspitze dem Magier, zielt, dann lässt er los und der Pfeil saust davon.

Shania wird ganz blass und bricht unbemerkt neben ihren Freunden zusammen, da alle staunend dem ungeheuerlichen Schuss mit den Augen folgen.

Erst ein unangenehmes Trommeln in seinen Ohren bringt Fabales dazu sich umzusehen. Er braucht einen Augenblick bis ihm klar wird, dass es der Herzschlag seiner Geliebten ist und dreht sich erschrocken zu ihr. Das Gesicht von Shania verzerrt sich in Schmerzen, das Klopfen ihres Herzens wird lauter und schneller, doch nur er kann es hören. Sie schreit nicht, obwohl ihr Mund weit aufgerissen ist. Und als Fabales nach ihr greifen will, fahren seine Hände durch sie hindurch.

Dann verschwindet die von ihm so geliebte Elfe vor seinen Augen.

Nein, nein… wo willst du hin, Liebste?“ flüstert er tonlos.

Weder Frek noch Andesit bemerken, was vor sich geht. Als Shanias Herzschlag verstummt, bricht auch der Elf zusammen. Er kann einfach die plötzliche Leere in seiner Seele nicht ertragen.

Er ist tot.“ sagt Andesit, den Blick starr auf das Tal gerichtet, wo der Magier am Boden liegt, Fabales Pfeil im Rücken.

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2 Responses to “Der Weltenbaum II – die grüne Weltenblüte”

  1. karfie Says:

    …ich sags ja, Shania kann nicht einfach sterben *schnüf*

  2. mirjam Says:

    Oh nein, Shania ist doch nicht wirklich gestorben, oder?

    Ich kann mich nur wiederholen, dein Weltenbaum-Geschichten-Wortsplitter ist wieder grandios geschrieben!
    Freue mich auf die Fortsetzung…

    lass dir liebe Grüsse da,

    mirjam

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