vor und zurück, vor und zurück, vor….

30. Jul 2010

Für alle die nicht gern am Bildschirm lesen, habe ich hier eine PDF zum Download

Dennis Teuchert@pixelio

… und zurück

Ich starb. Doch so schlimm war das nicht. Das Einzige, was mich störte, war das gehässige Grinsen dieser Schnepfe direkt vor meinem Gesicht, als ich meinen letzten Atemzug aushauchte. Ich hatte ihren Duft in der Nase, ein billiges Parfüm vom Discounter, so dicht rückte sie mir auf die Pelle. Sie hatte mich erwischt, aber das war ihr nicht genug. Sie wollte unbedingt das Letzte sein, was ich sah.

Ich hatte es ihr nicht besonders leicht gemacht, mich zu schnappen. Aber diese Polizistin war ein gerissenes Luder, kaltblütig und ehrgeizig. Das Gefährliche an ihr jedoch war ihre Intuition. Obwohl Serienmörder nur selten weiblich sind und ich ihr mit Sicherheit kein Fitzelchen eines Beweises hinterlassen hatte, suchte sie von Anfang an nach einer Frau. Nun bekam sie mit Sicherheit ihre Beförderung. Ich bezweifelte, dass sie meiner Opfer wegen so akribisch gewesen war. Ihre Überstunden sollten sich schließlich auszahlen.

Wenn ich so darüber nachdachte, kann es nur der letzte Mord gewesen sein, der sie auf meine Spur brachte. Ich hatte einen Fehler gemacht. Verdammt, aber ich war es leid. Das musste ein Ende haben. Was aber nicht bedeutete, dass ich mich freiwillig gestellt hätte. Ich genoss das Töten nicht. Ein schneller, gezielter Stich direkt ins Herz. Ich hasste Pistolen. Deshalb tötete ich auch mit einem Dolch. Es sollte so schnell und so schmerzlos wie möglich passieren. Ich folterte nicht, weder körperlich noch psychisch. Verstehen sie mich nicht falsch, das war kein Mitleid. Sie waren bei weitem nicht unschuldig, keiner von ihnen. Aber wer ist das schon. Ich fand nur kein Gefallen am Töten. Es war etwas, was erledigt werden musste. So sah es aus.

Beim letzten Opfer kamen mir Zweifel. Lächerlich, aber ich zögerte und ließ zu, dass der Kerl sich bewegen konnte. Der Stich war tödlich, aber nicht tödlich genug. Als ich fort war, hatte er Zeit die Bullen zu rufen und eine ungefähre Beschreibung von mir abzugeben. Und dann zählte die kleine übereifrige Polizistin Eins und Eins zusammen, schließlich hatte sie mich schon einmal gesehen.

Also war es auch meine elende Neugierde, die mir das Genick gebrochen hatte. Nicht im wortwörtlichen Sinn natürlich. Es war eine Kugel, die mir den Garaus machte. Nein, ich wollte wissen, wer sie war. Sie musste mich bemerkt haben, irgendwie. Diese verflixte Intuition hatte sie im richtigen Moment hoch sehen lassen. Unsere Blicke trafen sich und ich fühlte es knistern. Wenn ich sofort weggesehen hätte, wäre das ja zu auffällig gewesen und ich dachte mein Gesichtsausdruck wäre unverfänglich genug. Möglicherweise hatte ich mich geirrt. Nun, das lässt sich jetzt nicht mehr ändern, nicht wahr?

Ich weiß nicht, warum ich plötzlich das Bedürfnis hatte, mir die Polizistin mal anzusehen, die sich so abrackerte mich zu kriegen. Mehr als eine Vermutung hatte sie nicht, also musste ich mir keine Sorgen machen. Es gab kein Profil. Nicht wirklich. Nur ihre verfluchte Intuition. Im Gegensatz zu anderen, bekannten Serienmördern hatte ich nicht das Bedürfnis meine Morde irgendwie in Szene zu setzen. Ich wollte nicht spielen, nicht meine Intelligenz mit den Ermittlern messen. Ich hatte eine Aufgabe zu erfüllen und wollte auf keinen Fall gefasst werden. Alles was ich am Tatort außer dem Toten hinterlassen hätte, wäre der Polizei nur hilfreich gewesen. Obwohl ich einmal wirklich in Versuchung war. Das Schokolade verschmierte Gesicht mit diesen überraschten Glubschaugen eines dieser Männer, eines meiner Opfer muss ich wohl sagen, hätte mich fast dazu gebracht der Welt zu erklären, was mit Sündern passiert. Gula. Völlerei. Seine Maßlosigkeit kotzte mich an. Es war so verführerisch es allen zu zeigen. Es ihr zu zeigen. Aber ich brachte weit mehr als 7 Menschen um. Und ich wollte mich ungern wiederholen. Außerdem war das eine unnötige Spielerei. Ich hätte nur zu gern ihr Gesicht gesehen, wenn sie endlich glaubte ein Motiv gefunden zu haben. Mit dem Motiv ist das so eine Sache. Wenn es nicht die forensischen Beweise waren, die einen ins Gefängnis brachten, dann war es das Motiv. Die Profiler stürzen sich gerade zu darauf. Was ein Spaß, wenn sie sich die Köpfe zermartert hätten, was der Hinweis auf die 7 Todsünden bedeuten könnte. Aber ich sagte schon, die Kleine, die sich ihre Beförderung durch meinen Arsch sichern wollte, war gerissen. Besser kein Risiko eingehen. Deshalb hielt ich mich immer so wenig wie möglich an Tatort auf, trug Handschuhe und ein Kopftuch. Das war unauffällig, praktisch und passte alles in die Handtasche. Keiner dieser freakigen Ganzkörperanzügen. Ich war schließlich nicht verrückt. Jedenfalls denke ich, dass ich nicht einer dieser durchgeknallten wahnsinnigen Mörder war. Aber wer von denen, hat sich wohl selbst für verrückt gehalten? Nun, ich tröste mich mal damit, dass ich noch klar genug war, mir darüber Gedanken zu machen.

Sie fanden immer mich. Ich suchte sie nicht, aber wenn ich sie sah, wusste ich es. Natürlich war das nur eine Ahnung und für eine Ahnung tötete ich niemanden. Ich kaufte niemals die Katze im Sack. Doch ich hatte Recht, jedes einzelne Mal. Manchmal fanden mich 2 im Monat und manchmal waren es 3 pro Woche. Dann wurde es hektisch. Das konnte ich nicht beeinflussen, aber ich war froh, dass man auch hier kein Muster finden konnte, aus dem sich Schlüsse ziehen ließen. Tja manchmal muss man auch Glück haben. Naja Glück, das ist mir jetzt wohl ausgegangen.
Nachdem…. also nach … nach dem ersten Mord, nein das stimmt nicht ganz, aber für jetzt muss es genügen. Nach meinem ersten Mord also, hatte ich mich beurlauben lassen. Ich war zeitlich ungebunden und hatte Geduld. Ich musste nur warten, mich in die richtige Position bringen. Mit meinen 1 Meter 69 wirkte ich recht harmlos. Und, ich war unauffällig, trotzdem fanden sie mich. Doch für die anderen blieb ich unsichtbar. Niemand hatte sich je an mich erinnert, das hat diese kleine Miss Perfekt in den Wahnsinn getrieben.

Eigentlich plante ich nicht nach meinem ersten Mord weiter zu machen. Ich hatte meine Rache. Obwohl ich zugeben musste, dass mich dieser eine Mord durchaus mit Befriedigung erfüllte. Doch ich wusste, was richtig und was falsch war. Morden war definitiv falsch.
Und trotzdem hatte ich den Dolch noch immer bei mir.
Dann fanden sie mich. Ich sah sie schon von Weitem. Das klingt vielleicht total bekloppt, aber sie hatten etwas an sich. Als wäre eine dunkle Wolke über ihnen, ein Schatten oder etwas in der Art. Ich glaubte nicht, dass sie wussten, dass sie nach mir suchten. Vielleicht brachte uns auch etwas anderes zusammen. Schlussendlich war das Ergebnis immer das Gleiche. Ich bemerkte den Schatten, suchte einen passenden Ort an dem ich mit ihnen allein sein konnte und wartete. Wenn sie dann auftauchten, wirkten sie überrascht. Sie konnten ihr Glück kaum fassen. Ich schloss die Augen. Diese Typen waren nicht gerade kreativ. Das dummdreiste Feixen sah bei allen gleich aus. Und auch wenn die Wortwahl hier und da variierte, im Grunde lief es immer auf einen Satz hinaus. „Gib mir dein Geld und wenn du ganz brav bist, dann spielen wir noch miteinander, bevor ich dich abschlachte. Du…“ Und dann eine zahlreiche Auswahl an Schimpfworten für Hure. Da waren sie dann doch recht einfallsreich.
Sie waren immer noch überrascht, als mein Dolch ihnen das blödsinnige Grienen aus dem Gesicht wischte.
Hier mag man vielleicht einwerfen, dass ich als Opfer mich ja nur verteidigte. Anfangs redete ich mir das auch ein. Es war Notwehr, kein Mord. Aber ganz ehrlich, wer würde mir das glauben. Also ich nicht. Ich hatte 43 Menschen getötet. Jetzt hat es eh keinen Zweck mehr mir etwas vorzumachen.

Ich sagte, dass ich sie niemals suchte, aber das stimmt nicht ganz. Den Ersten von Ihnen hatte ich gesucht, mehr noch, ich jagte ihn. Ich hetzte ihn zu Tode und DAS hatte ich genossen. Das einzige Mal, aber es war etwas Persönliches. Ich hatte ein Motiv. Ich wusste nicht, wie ich ihn finden sollte, aber die Polizei war sehr hilfreich. Diese Sache mit den Fingerabdrücken war sehr beeindruckend, muss ich sagen.
Er erkannte mich nicht sofort wieder und fing an mich zu verspotten, als ich ihn freundlich bat, sich die Handschellen anzulegen. Ich ließ ihn reden. Mit einem fast zärtlichen Lächeln hielt ich ihm das Pfefferspray unter die Nase und bevor er reagieren konnte, benutzte ich es. Ich wurde immer unterschätzt. Doch ich muss zugeben, es war sehr hilfreich bei meinen Aufgaben, beim den Morden. Jetzt wo ich fast tot bin, sollte ich es beim Namen nennen. Ich glaube, es war auch der Grund, warum ich so lange der Polizei entgangen bin. Niemand wollte der unsympathischen übereifrigen Gans glauben.
Dann fesselte ich ihn und wartete, schließlich sollte er an dem Spaß teilhaben. Das Gesicht, dass er machte, als er wieder zu sich kam, kann man mit keinem Geld der Welt kaufen. Aber es war nichts im Vergleich zu dem, als er begriff, dass ich es ernst meinte und nichts ihn würde retten können. Ich ließ ihn betteln, doch nichts was er sagte, konnte wieder gut machen, was er getan hatte oder ich. Seine Strafe würde wie meine ein Leben lang andauern. Ich hatte beschlossen, dass sein Leben bedeutend kürzer sein sollte als meins. Die blutigen Einzelheiten erspare ich uns jetzt und es war eine Menge Blut. Als ich ging, strömte es aus ihm heraus, doch er war noch nicht ganz tot. Er sollte ganz allein sein, wenn sein Ende kam. So allein wie ich es war.

Die Schaukel vor unserem Haus quietscht. Wenn meine Kleine draußen spielt, dringt dieses furchtbare Geräusch durch die offenen Fenster und treibt mich fast in den Wahnsinn.

Obwohl kein Wind ging, schwang die Schaukel vor und zurück, vor und zurück…. vor und zurück. Das Geräusch verursachte mir eine Gänsehaut. Ich hatte meinen Mann schon so oft gebeten etwas Öl an die Scharniere zu tun. An dem Tag hatte ich wirklich Lust mich mit ihm zu streiten. Dann wollte ich weinen und mich von seinen Armen fest halten lassen und schlafen. Meine Hände zitterten als ich die Haustür öffnete. Ich hatte meine Schlüssel nicht mehr, aber die brauchte ich auch nicht, denn die Tür stand einen Spalt offen. Niemand antworte auf meine Rufe, aber das hätte nicht so sein dürfen. Um diese Uhrzeit war beide schon zuhause. Meistens erwischte ich sie dabei, wie sie sich laut lachend auf dem Boden rollten. Die Stille zog mich immer weiter hinein, wie ein Sog, ein schwarzes Loch fehlender Geräusche. Nichteinmal die Schaukel konnte ich noch hören. Im Wohnzimmer fiel mein Blick auf meine Handtasche. Sie lag auf der kleinen Anrichte direkt vor dem Spiegel, in dem ich mein Gesicht sehen konnte, seltsam verzerrt. Der Mund war weit aufgerissen und ich fragte mich warum. Dann erst hörte ich mich schreien. Die Leichen meines Mannes und meiner kleinen geliebten Tochter lagen vor der Anrichte. Sie saßen da, als wollten sie mich begrüßen. Als sollten sie mich begrüßen.
Durch das Fenster drang das furchtbare Geräusch der Schaukel. Vor und zurück. Vor und zurück. Das änderte sich ab diesem Moment auch nie wieder.

Ich dachte, ich würde sterben. Als ich den Dolch vor mir aufblitzen sah, konnte ich mich vor Angst kaum bewegen. „Geld oder Leben.“ Der Typ mit dem Messer grinste, weil es ihm Spaß machte, dass er wie ein billiges Klischee aus einem noch billigeren Gangsterfilm klang. Das Scheusal kam sich dabei auch noch cool vor. Plötzlich war ich verdammt wütend. Ich zischte ihm ein „Verzieh dich.“ entgegen und trat ihm gegen das Schienbein. Naja, eigentlich hatte ich woanders hin gezielt. Das Grinsen war ihm vergangen. Er fluchte und warf mit Schimpfwörtern um sich. Dann kam er auf mich zu. Von meiner Wut war nicht viel übrig geblieben. Offensichtlich hatte sie nur für einen Tritt gereicht. Er drängte mich gegen eine Wand und nun zitterte ich vor Angst. Wie konnte ich nur so blöd sein, ihn auch noch wütend zu machen. Als wäre ein Typ mit einem Messer nicht schon gefährlich genug. Ich dachte, ich würde sterben.
Als er mir ins Ohr flüsterte, dass ich dafür büßen würde, machte ich mir fast in die Hose. Ich war so verängstigt, dass ich nicht bemerkte, wie er den Tragegurt der Handtasche zerschnitt. Er verschwand mit der Handtasche, ließ mich da einfach stehen. Ich konnte mein Glück kaum fassen.
Ich wusste nicht, dass ich eigentlich schon tot war.

Dennis-Teuchert@pixelio

vor …

Ich dachte, ich würde sterben. Als ich den Dolch vor mir aufblitzen sah, konnte ich mich vor Angst kaum bewegen. „Geld oder Leben.“ Der Typ mit dem Messer grinste, weil es ihm Spaß machte, dass er wie ein billiges Klischee aus einem noch billigeren Gangsterfilm klang. Das Scheusal kam sich dabei auch noch cool vor. Plötzlich war ich verdammt wütend. Ich zischte ihm ein „Verzieh dich.“ entgegen und trat ihm gegen das Schienbein. Naja, eigentlich hatte ich woanders hin gezielt. Das Grinsen war ihm vergangen. Er fluchte und warf mit Schimpfwörtern um sich. Dann kam er auf mich zu. Von meiner Wut war nicht viel übrig geblieben. Offensichtlich hatte sie nur für einen Tritt gereicht. Er drängte mich gegen eine Wand und nun zitterte ich vor Angst. Wie konnte ich nur so blöd sein, ihn auch noch wütend zu machen. Als wäre ein Typ mit einem Messer nicht schon gefährlich genug. Ich dachte, ich würde sterben.
Als er mir ins Ohr flüsterte, dass ich dafür büßen würde, machte ich mir fast in die Hose. Ich war so verängstigt, dass ich nicht bemerkte, wie er den Tragegurt der Handtasche zerschnitt. Er verschwand mit der Handtasche, ließ mich da einfach stehen. Ich konnte mein Glück kaum fassen.
Ich wusste nicht, dass ich eigentlich schon tot war.

Obwohl kein Wind ging, schwang die Schaukel vor und zurück, vor und zurück…. vor und zurück. Das Geräusch verursachte mir eine Gänsehaut. Ich hatte meinen Mann schon so oft gebeten etwas Öl an die Scharniere zu tun. An dem Tag hatte ich wirklich Lust mich mit ihm zu streiten. Dann wollte ich weinen und mich von seinen Armen fest halten lassen und schlafen. Meine Hände zitterten als ich die Haustür öffnete. Ich hatte meine Schlüssel nicht mehr, aber die brauchte ich auch nicht, denn die Tür stand einen Spalt offen. Niemand antworte auf meine Rufe, aber das hätte nicht so sein dürfen. Um diese Uhrzeit war beide schon zuhause. Meistens erwischte ich sie dabei, wie sie sich laut lachend auf dem Boden rollten. Die Stille zog mich immer weiter hinein, wie ein Sog, ein schwarzes Loch fehlender Geräusche. Nichteinmal die Schaukel konnte ich noch hören. Im Wohnzimmer fiel mein Blick auf meine Handtasche. Sie lag auf der kleinen Anrichte direkt vor dem Spiegel, in dem ich mein Gesicht sehen konnte, seltsam verzerrt. Der Mund war weit aufgerissen und ich fragte mich warum. Dann erst hörte ich mich schreien. Die Leichen meines Mannes und meiner kleinen geliebten Tochter lagen vor der Anrichte. Sie saßen da, als wollten sie mich begrüßen. Als sollten sie mich begrüßen.
Durch das Fenster drang das furchtbare Geräusch der Schaukel. Vor und zurück. Vor und zurück. Das änderte sich ab diesem Moment auch nie wieder.

Die Schaukel vor unserem Haus quietscht. Wenn meine Kleine draußen spielt, dringt dieses furchtbare Geräusch durch die offenen Fenster und treibt mich fast in den Wahnsinn.

Ich sagte, dass ich sie niemals suchte, aber das stimmt nicht ganz. Den Ersten von Ihnen hatte ich gesucht, mehr noch, ich jagte ihn. Ich hetzte ihn zu Tode und DAS hatte ich genossen. Das einzige Mal, aber es war etwas Persönliches. Ich hatte ein Motiv. Ich wusste nicht, wie ich ihn finden sollte, aber die Polizei war sehr hilfreich. Diese Sache mit den Fingerabdrücken war sehr beeindruckend, muss ich sagen.
Er erkannte mich nicht sofort wieder und fing an mich zu verspotten, als ich ihn freundlich bat, sich die Handschellen anzulegen. Ich ließ ihn reden. Mit einem fast zärtlichen Lächeln hielt ich ihm das Pfefferspray unter die Nase und bevor er reagieren konnte, benutzte ich es. Ich wurde immer unterschätzt. Doch ich muss zugeben, es war sehr hilfreich bei meinen Aufgaben, beim den Morden. Jetzt wo ich fast tot bin, sollte ich es beim Namen nennen. Ich glaube, es war auch der Grund, warum ich so lange der Polizei entgangen bin. Niemand wollte der unsympathischen übereifrigen Gans glauben.
Dann fesselte ich ihn und wartete, schließlich sollte er an dem Spaß teilhaben. Das Gesicht, dass er machte, als er wieder zu sich kam, kann man mit keinem Geld der Welt kaufen. Aber es war nichts im Vergleich zu dem, als er begriff, dass ich es ernst meinte und nichts ihn würde retten können. Ich ließ ihn betteln, doch nichts was er sagte, konnte wieder gut machen, was er getan hatte oder ich. Seine Strafe würde wie meine ein Leben lang andauern. Ich hatte beschlossen, dass sein Leben bedeutend kürzer sein sollte als meins. Dann begann unser Spiel. Die blutigen Einzelheiten erspare ich uns jetzt und es war eine Menge Blut. Als ich ging, strömte es aus ihm heraus, doch er war noch nicht ganz tot. Er sollte ganz allein sein, wenn sein Ende kam. So allein wie ich es war.

Eigentlich plante ich nicht nach meinem ersten Mord weiter zu machen. Ich hatte meine Rache. Obwohl ich zugeben musste, dass mich dieser eine Mord durchaus mit Befriedigung erfüllte. Doch ich wusste, was richtig und was falsch war. Morden war definitiv falsch.
Und trotzdem hatte ich den Dolch noch immer bei mir.
Dann fanden sie mich. Ich sah sie schon von Weitem. Das klingt vielleicht total bekloppt, aber sie hatten etwas an sich. Als wäre eine dunkle Wolke über ihnen, ein Schatten oder etwas in der Art. Ich glaubte nicht, dass sie wussten, dass sie nach mir suchten. Vielleicht brachte uns auch etwas anderes zusammen. Schlussendlich war das Ergebnis immer das Gleiche. Ich bemerkte den Schatten, suchte einen passenden Ort, an dem ich mit ihnen allein sein konnte und wartete. Wenn sie dann auftauchten, wirkten sie überrascht. Sie konnten ihr Glück kaum fassen. Ich schloss die Augen. Diese Typen waren nicht gerade kreativ. Das dummdreiste Feixen sah bei allen gleich aus. Und auch wenn die Wortwahl hier und da variierte, im Grunde lief es immer auf einen Satz hinaus. „Gib mir dein Geld und wenn du ganz brav bist, dann spielen wir noch miteinander, bevor ich dich abschlachte. Du…“ Und dann eine zahlreiche Auswahl an Schimpfworten für Hure. Da waren sie dann doch recht einfallsreich.
Sie waren immer noch überrascht, als mein Dolch ihnen das blödsinnige Grienen aus dem Gesicht wischte.
Hier mag man vielleicht einwerfen, dass ich als Opfer mich ja nur verteidigte. Anfangs redete ich mir das auch ein. Es war Notwehr, kein Mord. Aber ganz ehrlich, wer würde mir das glauben. Also ich nicht. Ich hatte 43 Menschen getötet. Jetzt hat es eh keinen Zweck mehr mir etwas vorzumachen.

Sie fanden immer mich. Ich suchte sie nicht, aber wenn ich sie sah, wusste ich es. Natürlich war das nur eine Ahnung und für eine Ahnung tötete ich niemanden. Ich kaufte niemals die Katze im Sack. Doch ich hatte Recht, jedes einzelne Mal. Manchmal fanden mich 2 im Monat und manchmal waren es 3 pro Woche. Dann wurde es hektisch. Das konnte ich nicht beeinflussen, aber ich war froh, dass man auch hier kein Muster finden konnte, aus dem sich Schlüsse ziehen ließen. Tja manchmal muss man auch Glück haben. Naja Glück, das ist mir jetzt wohl ausgegangen.
Nachdem…. also nach … nach dem ersten Mord, nein das stimmt nicht ganz, aber für jetzt muss es genügen. Nach meinem ersten Mord also, hatte ich mich beurlauben lassen. Ich war zeitlich ungebunden und hatte Geduld. Ich musste nur warten, mich in die richtige Position bringen. Mit meinen 1 Meter 69 wirkte ich recht harmlos. Und, ich war unauffällig, trotzdem fanden sie mich. Doch für die anderen blieb ich unsichtbar. Niemand hatte sich je an mich erinnert, das hat diese kleine Miss Perfekt in den Wahnsinn getrieben.

Ich weiß nicht, warum ich plötzlich das Bedürfnis hatte, mir die Polizistin mal anzusehen, die sich so abrackerte mich zu kriegen. Mehr als eine Vermutung hatte sie nicht, also musste ich mir keine Sorgen machen. Es gab kein Profil. Nicht wirklich. Nur ihre verfluchte Intuition. Im Gegensatz zu anderen, bekannten Serienmördern hatte ich nicht das Bedürfnis meine Morde irgendwie in Szene zu setzen. Ich wollte nicht spielen, nicht meine Intelligenz mit den Ermittlern messen. Ich hatte eine Aufgabe zu erfüllen und wollte auf keinen Fall gefasst werden. Alles was ich am Tatort außer dem Toten hinterlassen hätte, wäre der Polizei nur hilfreich gewesen. Obwohl ich einmal wirklich in Versuchung war. Das Schokolade verschmierte Gesicht mit diesen überraschten Glubschaugen eines dieser Männer, eines meiner Opfer muss ich wohl sagen, hätte mich fast dazu gebracht der Welt zu erklären, was mit Sündern passiert. Gula. Völlerei. Seine Maßlosigkeit kotzte mich an. Es war so verführerisch es allen zu zeigen. Es ihr zu zeigen. Aber ich brachte weit mehr als 7 Menschen um. Und ich wollte mich ungern wiederholen. Außerdem war das eine unnötige Spielerei. Ich hätte nur zu gern ihr Gesicht gesehen, wenn sie endlich glaubte ein Motiv gefunden zu haben. Mit dem Motiv ist das so eine Sache. Wenn es nicht die forensischen Beweise waren, die einen ins Gefängnis brachten, dann war es das Motiv. Die Profiler stürzen sich gerade zu darauf. Was ein Spaß, wenn sie sich die Köpfe zermartert hätten, was der Hinweis auf die 7 Todsünden bedeuten könnte. Aber ich sagte schon, die Kleine, die sich ihre Beförderung durch meinen Arsch sichern wollte, war gerissen. Besser kein Risiko eingehen. Deshalb hielt ich mich immer so wenig wie möglich an Tatort auf, trug Handschuhe und ein Kopftuch. Das war unauffällig, praktisch und passte alles in die Handtasche. Keiner dieser freakigen Ganzkörperanzügen. Ich war schließlich nicht verrückt. Jedenfalls denke ich, dass ich nicht einer dieser durchgeknallten wahnsinnigen Mörder war. Aber wer von denen, hat sich wohl selbst für verrückt gehalten? Nun, ich tröste mich mal damit, dass ich noch klar genug war, mir darüber Gedanken zu machen.

Also war es auch meine elende Neugierde, die mir das Genick gebrochen hatte. Nicht im wortwörtlichen Sinn natürlich. Es war eine Kugel, die mir den Garaus machte. Nein, ich wollte wissen, wer sie war. Sie musste mich bemerkt haben, irgendwie. Diese verflixte Intuition hatte sie im richtigen Moment hoch sehen lassen. Unsere Blicke trafen sich und ich fühlte es knistern. Wenn ich sofort weggesehen hätte, wäre das ja zu auffällig gewesen und ich dachte mein Gesichtsausdruck wäre unverfänglich genug. Möglicherweise hatte ich mich geirrt. Nun, das lässt sich jetzt nicht mehr ändern, nicht wahr?

Beim letzten Opfer kamen mir Zweifel. Lächerlich, aber ich zögerte und ließ zu, dass der Kerl sich bewegen konnte. Der Stich war tödlich, aber nicht tödlich genug. Als ich fort war, hatte er Zeit die Bullen zu rufen und eine ungefähre Beschreibung von mir abzugeben. Und dann zählte die kleine übereifrige Polizistin Eins und Eins zusammen, schließlich hatte sie mich schon einmal gesehen.

Wenn ich so darüber nachdachte, kann es nur der letzte Mord gewesen sein, der sie auf meine Spur brachte. Ich hatte einen Fehler gemacht. Verdammt, aber ich war es leid. Das musste ein Ende haben. Was aber nicht bedeutete, dass ich mich freiwillig gestellt hätte. Ich genoss das Töten nicht. Ein schneller, gezielter Stich direkt ins Herz. Ich hasste Pistolen. Deshalb tötete ich auch mit einem Dolch. Es sollte so schnell und so schmerzlos wie möglich passieren. Ich folterte nicht, weder körperlich noch psychisch. Verstehen sie mich nicht falsch, das war kein Mitleid. Sie waren bei weitem nicht unschuldig, keiner von ihnen. Aber wer ist das schon. Ich fand nur kein Gefallen am Töten. Es war etwas, was erledigt werden musste. So sah es aus.

Ich hatte es ihr nicht besonders leicht gemacht, mich zu schnappen. Aber diese Polizistin war ein gerissenes Luder, kaltblütig und ehrgeizig. Das Gefährliche an ihr jedoch war ihre Intuition. Obwohl Serienmörder nur selten weiblich sind und ich ihr mit Sicherheit kein Fitzelchen eines Beweises hinterlassen hatte, suchte sie von Anfang an nach einer Frau. Nun bekam sie mit Sicherheit ihre Beförderung. Ich bezweifelte, dass sie meiner Opfer wegen so akribisch gewesen war. Ihre Überstunden sollten sich schließlich auszahlen.

Ich starb. Doch so schlimm war das nicht. Das Einzige, was mich störte, war das gehässige Grinsen dieser Schnepfe direkt vor meinem Gesicht, als ich meinen letzten Atemzug aushauchte. Ich hatte ihren Duft in der Nase, ein billiges Parfüm vom Discounter, so dicht rückte sie mir auf die Pelle. Sie hatte mich erwischt, aber das war ihr nicht genug. Sie wollte unbedingt das Letzte sein, was ich sah.

… und zurück

Dennis Teuchert@pixelio

 

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Fingerübung
Muse sternthaler75:
1.Schokolade 2.knistern 3.Duft 4.Katze 5.Schaukel
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9 Responses to “vor und zurück, vor und zurück, vor….”

  1. Mirjam Sagt:

    Wow, ich bin sprachlos!!! Die Geschichte ist echt der Wahnsinn!!!

    Tolle Idee mit deinen Fingerübungen und grandiose Umsetzung!!

    Kompliment, Chapeau, Hut ab…. mehr fällt mir gerade nicht ein =)

    lg mirjam


  2. Ich bin heute zum ersten Mal auf deiner Seite, aber ich bin restlos davon begeistert. Das nennst du eine Fingerübung? Das ist total klasse! :)
    Ich hab das gleich meiner Freundin gezeigt und sie findet es auch super- wir sind beide richtige Leseratten und kommen hier auf unsere Kosten. Wirklich toll! :)
    Liebe Grüße,
    Clee :)


  3. PS: Ich würde diese Fingerübung gerne auf meinem Blog verlinken, wenn das für dich ok ist. Und kurz ein paar Worte dazu schreiben.
    LG Petra


  4. Ich danke dir, diese Geschichte ist total faszinierend. Ich bin restlos begeistert.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kreativität bei deinen Fingerübungen.

    LG Petra

  5. karfie Sagt:

    geil, geil, geil!!!

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